Kraftwerk

«Baden-Württemberg zerstört Weltkulturerbe»

Kraftwerk und Steg Rheinfelden

Kraftwerk und Steg Rheinfelden

Die IG Pro Steg in Rheinfelden setzt nochmals Druck auf. Nachdem einige prominente Experten dem Kraftwerk ihre Unterstützung ausgedrückt haben, überlegt sich die Interessengemeinschaft weitere Wege.

Der Kampf um den Erhalt des alten Kraftwerks ist aus Sicht der in beiden Rheinfelden agierenden IG Pro Steg noch nicht beendet. Obwohl der südbadische Regierungspräsident Julian Würtenberger – als verlängerter Arm der baden-württembergischen Landesregierung – klargestellt hatte, dass der Abriss beschlossene Sache sei.

«Rechtssicherheit ist ein höheres Gut als ein Weltkulturerbe. Und Rechtssicherheit überwiegt einen nicht mehr gutzumachenden Abriss eines zukünftigen Weltkulturerbes und lässt keinen Kompromiss zu», trauert die IG mit herber Ironie in einer Medienmitteilung.

Die Bürgerbewegung habe es in den vergangenen Monaten geschafft, das alte Kraftwerk zu einem ernst zu nehmenden Anwärter für das Unesco-Weltkulturerbe werden zu lassen. «Wichtige Persönlichkeiten der internationalen und nationalen Industriedenkmalpflege haben ihre Solidarität ausgedrückt.»

«Überlegen uns weitere Wege»

Die IG listet dann eine Reihe namhafter Experten mit internationaler Reputation auf, darunter auch Frank Dittmann vom Museum München als Präsident des Geschichtsausschusses des Vereins Deutscher Ingenieure (VDE) oder Vertreter der Schweizerischen Gesellschaft für Technikgeschichte und Industriekultur (SGTI).

In ihrer Bilanz verweist die IG darauf, dass allein vier Schreiben direkt an den Ministerpräsidenten Stefan Mappus gerichtet worden seien, um das alte Kraftwerk zu retten. «Das war jetzt kein runder Tisch, sondern ein Richtertisch, von dem einseitig das schon vorher bekannte Urteil verkündet wurde», tönt es im IG-Klagelied.

«Wir überlegen uns weitere Wege, um das Land Baden-Württemberg vor der unwürdigen Schmach der wissentlichen Zerstörung eines Weltkulturerbes zu bewahren und der Menschheit diesen Diamanten zu erhalten.»

Die Enttäuschung ist spürbar: «In einer nur noch verfahrensrechtlich argumentierenden Verwaltungswelt haben hochkarätige inhaltliche Argumente keine Chance mehr. Die Rechts- und Investitionssicherheit ist in Baden-Württemberg die alleinige Basis für die Zerstörung eines Weltkulturerbes.»

Dass sich das Land zusammen mit der Energiedienst AG im Jahre 2010 die Zerstörung eines «weltweit einmaligen und erhaltenswerten Gebäudes» erlaubt, werde «mit einem sehr bitteren Geschmack» in die internationale Literatur der Fachwelt eingehen. (ach)

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