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Baden will Konzession für neues Zürcher Casino - dringend

Seit der Bundesrat Ende März beschlossen hat, eine Spielbankenkonzession für Zürich zu vergeben, herrscht in der Casino-Branche Nervosität. Am meisten zu verlieren hat das Grand Casino in Baden.

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Grand Casino Baden

Grand Casino Baden

Keystone

Oliver Steimann

Eigentlich kann die Spielbank Baden AG auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken: Die Zahl der Besucher des Grand Casinos konnte um 4,8 Prozent auf 533 900 gesteigert werden, und die Spieler haben insgesamt 111,1 Millionen Franken verzockt. Doch Verwaltungsratspräsident Peter Probst sieht diesen Erfolg akut gefährdet. Grund dafür ist die nahe Stadt Zürich, welcher der Bundesrat im März eine eigene Spielbankenlizenz zugesprochen hat.

Für Baden wäre es fatal, die Zürcher Spieler an einen Konkurrenten zu verlieren. Wie Probst am Mittwoch vor den Medien erklärte, stammen 46 Prozent seiner Kunden aus dem Nachbarkanton. Fallen diese weg, dürften die Erträge in Baden um bis zu 40 Prozent einbrechen. Der Verwaltungsrat habe deshalb beschlossen, sich um die Lizenz für ein Casino in Zürich zu bewerben.

Probst schwebt ein Geschäftsmodell mit zwei Casinos unter einem Dach vor. So könne der drohende Geschäftsrückgang aufgefangen werden. «Ausserdem kennt keine andere Spielbank die Bedürfnisse des Zürcher Publikums so gut wie Baden.» Man habe auch das Know-how entwickelt, internationale Spieler mit hohen Einsätzen anzulocken - was für einen Standort wie Zürich besonders wichtig sei.

Zum aktuellen Projektstand lässt man sich in Baden nicht gerne in die Karten blicken. «Wir werden mit der Konzessionseingabe einen attraktiven Standort präsentieren», verspricht CEO Detlef Brose. Vorläufig könne man aber noch keine konkreteren Angaben machen. Erst wenn die Ausschreibung durch die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) erfolge, werde man die genauen Vorgaben kennen.

Mit einem Vergabeentscheid rechnet er frühestens 2011. Wie das Casino Baden reagieren würde, wenn die Zürcher Konzession dann einem Konkurrenten zufiele, weiss er noch nicht. «In erster Linie ist es nun von höchster Priorität, unser Gesuch in optimaler Qualität auszuarbeiten.» Erst nach dem Entscheid der ESBK werde es möglich sein, die weitere Zukunft zu planen.

Konkurrenz in den Startlöchern

Doch nicht nur in Baden hofft man auf die Millionen, die an den Zürcher Spieltischen zu verdienen sein werden. Auch die Swiss Casinos AG will sich um die Konzession bewerben. Zwar musste der Branchenprimus sein Projekt einer Spielbank am Flughafen fallen lassen, weil der Bund nur Standorte in der Stadt berücksichtigen will. Doch CEO Peter Meier lässt sich davon nicht entmutigen. «Wenn in Zürich ein Casino eröffnet wird, werden das unsere Betriebe in Schaffhausen und Pfäffikon SZ zu spüren bekommen. Umso wichtiger ist es, dass wir selbst eine Bewerbung einreichen.»

Welcher Standort ihm dabei vorschwebt, will er noch nicht verraten: «Wir werden uns irgendwo einmieten.» Als weiteres Casino wird auch Luzern vom neuen Konkurrenten an der Limmat stark betroffen sein. Hier rechnet man mit einer jährlichen Einbusse von bis zu 5Millionen Franken an Spielerträgen. Im kürzlich veröffentlichten Jahresbericht wird der Entscheid der Landesregierung, weitere Spielstätten zuzulassen, sehr bedauert: «Insbesondere im Grossraum Zürich ist der Markt gesättigt.» Es werde unweigerlich zu einem Verdrängungswettbewerb kommen.

Guido Egli, Verwaltungsratspräsident des Grand Casinos Luzern, liebäugelt deshalb damit, mit einem eigenen Gesuch in die Offensive zu gehen. Schliesslich stamme jeder zehnte Gast aus Zürich, erklärte er kürzlich vor den Medien. Für eine Stellungnahme zum aktuellen Projektstand war er gestern nicht erreichbar.

Auf dem Platz Zürich sind aber auch zwei Branchenneulinge an einer Lizenz interessiert: Die Casino Zürich AG möchte die Spielbank in der Alten Börse einrichten, die City Casino Zürich AG plant dasselbe im ehemaligen EPA-Gebäude an der Sihlporte. Ob sie alle im Rennen bleiben, ist offen.