Für Heinz Karrer ist der Entscheid vom gestern ein Schnellschuss: «Der Bundesrat hatte bloss sechs Wochen Zeit, um eine neue Energiestrategie zu entwickeln. Mir scheint das, um es vorsichtig zu formulieren, extrem wenig Zeit. Insbesondere angesichts der Bedeutung des Geschäfts», sagt Karrer in einem Interview mit der az Aargauer Zeitung.

Der schrittweise Ausstieg stellt für Karrer die günstige und sichere Stromversorgung in der Schweiz aufs Spiel. Er glaubt, dass die Strompreise deutlich stärker ansteigen werden als vom Bundesrat prognostiziert. Die Regierung rechnet mit einer Teuerung von 20 bis 30 Prozent, Karrer rechnet mit noch mehr.

Der Axpo-Chef hält auch die bundesrätliche Voraussage, dass der Ausstieg volkswirtschaftliche Kosten von rund 3 Milliarden Franken zur Folge haben wird, für allzu optimistisch. «Unsere Berechnungen liegen um Faktoren höher», sagt Karrer. Weiter gibt er zu Bedenken, dass die Schweiz ohne AKWs in Wintermonaten bis zu 40 Prozent des Strombedarfs importieren müsste. Folge laut Karrer: «Wir werden in der Schweiz womöglich die höchsten Strompreise Europas bezahlen müssen.»

Karrer hofft, dass das Parlament die bundesrätlichen Entscheidgrundlagen einem fundierten "Stresstest" unterziehen wird: «Man muss doch wissen, ob das, was der Bundesrat will, umsetzbar ist und wenn ja, mit welchen Konsequenzen.»