F/A-18-Absturz
Aviatik-Publizist nimmt Lotsen in Schutz: «Piloten müssen die Entscheidung letztlich selber treffen»

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor SkyNews.ch, bewertet die vorläufigen Ergebnisse zum Kampfjet-Absturz. Er sagt: «Der Pilot muss dem Fluglotsen vertrauen können.»

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Hansjörg Bürgi, Chefredaktor und Verleger Sky News: «Jeder Mensch macht Fehler, aber Fluglotsen sind jene Menschen, die am wenigsten machen dürfen.»

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor und Verleger Sky News: «Jeder Mensch macht Fehler, aber Fluglotsen sind jene Menschen, die am wenigsten machen dürfen.»

Zur Verfügung gestellt

Hansjörg Bürgi, Sie haben die Pressekonferenz verfolgt, welche Erkenntnisse ziehen Sie daraus?

Hansjörg Bürgi: Ich hatte darauf gehofft, dass so schnell und so umfassend öffentlich über den Stand der Untersuchungen informiert wird. Ansonsten wären weiter Halbwahrheiten über die Medien verbreitet worden. Überrascht hat mich, dass die Flugsicherung dem Piloten tatsächlich eine falsche Flughöhe angegeben hat. Das darf einfach nicht passieren.

Hansjörg Bürgi ist seit 1980 Aviatikpublizist. Der Privatpilot führt als Chefredaktor das Magazin «SkyNews.ch». Als Sachverständiger äussert sich Hansjörg Bürgi regelmässig in den Medien zu Flugthemen.

Die Flughöhe, die der Fluglotse dem Piloten angab, unterschied sich massiv von der Höhe, die es hätte sein müssen. Hätte der Pilot den Fehler selber erkennen müssen?

Es handelt sich um einen jungen Piloten, der erst frisch auf die F/A-18 umgestiegen ist. Ein erfahrener Pilot hätte vielleicht noch rechtzeitig reagieren können. Doch das lässt sich nur mutmassen. Ob der 27-jährige Pilot das nahende Unglück erkannt hat, werden wir wohl wegen des fehlenden Flugdatenschreibers nie erfahren.

Urs Lauener, Stellvertretender Chef Operationen Skyguide, Roger Gaberell, Sprecher Skyguide, Daniel Reist, Armeesprecher, und Pierre de Goumoens, Oberst i Gst und F/A-18-Pilot.
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Tobias Kühne, Sprecher Militärjustiz
Gionata Carmine, Untersuchungsrichter
Andreas Lukas Hagi, Untersuchungsrichter
Gionata Carmine, Juge d'instruction, Tobias Kuehne, Sprecher Militaerjustiz und Andreas Lukas Hagi, Untersuchungsrichter
Gionata Carmine, Untersuchungsrichter
Gionata Carmine, Juge d'instruction, Tobias Kuehne, Sprecher Militaerjustiz und Andreas Lukas Hagi, Untersuchungsrichter
Die Unglücksmaschine
Die Unglücksstelle beim Hinter Tierberg
Gionata Carmine, Juge d'instruction, Tobias Kuehne, Sprecher Militaerjustiz und Andreas Lukas Hagi, Untersuchungsrichter
Gionata Carmine, Juge d'instruction, Tobias Kuehne, Sprecher Militaerjustiz und Andreas Lukas Hagi, Untersuchungsrichter
Gionata Carmine, Juge d'instruction, Tobias Kuehne, Sprecher Militaerjustiz und Andreas Lukas Hagi, Untersuchungsrichter
Gionata Carmine, Juge d'instruction, Tobias Kuehne, Sprecher Militaerjustiz und Andreas Lukas Hagi, Untersuchungsrichter
Gionata Carmine, Juge d'instruction, Tobias Kuehne, Sprecher Militaerjustiz und Andreas Lukas Hagi, Untersuchungsrichter
Gionata Carmine, Untersuchungsrichter

Urs Lauener, Stellvertretender Chef Operationen Skyguide, Roger Gaberell, Sprecher Skyguide, Daniel Reist, Armeesprecher, und Pierre de Goumoens, Oberst i Gst und F/A-18-Pilot.

Keystone

Dieser wurde beim Aufprall vermutlich komplett zerstört, kommt das häufig vor?

Nein. Selbst beim ersten Absturz einer F/A-18-Maschine im Jahr 1998 konnte man den Flugdatenschreiber anschliessend noch auswerten. Dies obwohl das Flugzeug damals senkrecht in den Boden knallte. Vieles wird man aber auch ohne Flugfahrtenschreiber nachvollziehen können. Beispielsweise mithilfe der Radaraufzeichnungen oder der Funksprüche.

Bild von der Absturzstelle: Eine F/A-18 ist am Montag, 28. August, zerschellte im Gebiet des Sustenpasses am Berg.
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Absturz einer F/A-18
Der Berufsmilitärpilot wurde am Mittwochmorgen an der Absturzstelle "zweifelsfrei identifiziert", wie das Verteidigungsdepartement mitteilte.
Die Absturzstelle liegt auf über 3000 Metern über Meer in einem Bergkessel mit Schnee- und Gletscherflächen und steilen Felswänden.
Die Suche nach dem Piloten hatte sich schwierig gesaltet.
Gebirgsspezialisten der Armee sowie mehrere Helikopter der Luftwaffe, der Kantonspolizei Zürich sowie der Rega standen im Einsatz.
Die Bergung des Flugzeugs dürfte mehrere Monate dauern.
Der Absturz ist bereits der vierte schwere Zwischenfall mit einem F/A-18-Kampfjet der Schweizer Armee.
Bergspezialisten bergen den umgekommenen Kampfjet-Piloten am Mittwoch, zwei Tage nach dem Unglück.
Rettungskräfte im Einsatz
Bundesrat und Verteidigungsminister Guy Parmelin äussert sich zum abgestürzten F/A-18 Kampfjet im Sustengebiet: "Ich bin sehr traurig."
Am Dienstag wird noch fieberhaft nach dem Piloten gesucht.
Ein Abzeichen der Staffel 18 am Arm von Felix Stoffel, Chef Berufsfliegerkorps, fotografiert an der Medienkonferenz zum abgestürzten Armee Flugzeug
Der Absturz ereignete sich in der Region Susten.
Die F/A-18 verschwand am Montagnachmittag kurz nach dem Start vom Radar. Später wurde bekannt: Sie verunglückte vier Minuten nach dem Start.
F/A-18 Pilot Pierre de Goumoëns, Kommunikationschef Jürrg Nussbaum und Felix Stoffel, Chef Berufsfliegerkorps, informieren am Unglückstag über die aktuelle Lage.
Felix Stoffel, Chef des Berufsfliegerkorps.
Armeesprecher Daniel Reist gibt den Medien Auskunft.
Armee-Helikopter suchen am Dienstag nach der Absturzstelle.

Bild von der Absturzstelle: Eine F/A-18 ist am Montag, 28. August, zerschellte im Gebiet des Sustenpasses am Berg.

Keystone

Wird dieser Unfall dem Vertrauensverhältnis Pilot – Fluglotsen schaden?

Der Pilot muss sich voll auf die Flugsicherung verlassen können. Vor allem dann, wenn er nichts sieht, wie dies am Tag des Flugunglücks, am 29. August in Meiringen, der Fall war.

Was für Lehren kann das Militär oder die Flugsicherung aus dem Unfall ziehen?

Man muss die Erkenntnisse aus dem Unfall sicherlich in die Ausbildung der Fluglotsen einfliessen lassen. Jeder Mensch macht Fehler, aber Fluglotsen sind jene Menschen, die am wenigsten machen dürfen.

Und die Piloten?

Bei ihnen fand ein Umdenken bereits nach der Flugzeugkollision von Überlingen 2002 in Deutschland statt. Damals wies der Schweizer Fluglotse am Boden die Besatzung über dem Bodensee an zu sinken, anstatt den Steigflug einzuleiten. Nach kurzer Diskussion entschied sich die Crew, den Anweisungen zu folgen. Der Vorfall zeigte: Die Piloten müssen die Entscheidung letztlich selber treffen. Heutzutage stehen ihnen nebst dem Fluglotsen auch viele technische Hilfsmittel zur Verfügung, an denen sie sich orientieren können.

Wird dieser Unfall das Bild der Schweizer Luftwaffe in der Öffentlichkeit verschlechtern?

Das denke ich nicht. Der Unfall zeigt, unter welchen Bedingungen Piloten ihren Job machen müssen. Egal, wie das Wetter ist, sie müssen in die Luft. Sie müssen das können und können das auch.