F/A-18-Absturz

Aviatik-Publizist nimmt Lotsen in Schutz: «Piloten müssen die Entscheidung letztlich selber treffen»

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor und Verleger Sky News: «Jeder Mensch macht Fehler, aber Fluglotsen sind jene Menschen, die am wenigsten machen dürfen.»

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor und Verleger Sky News: «Jeder Mensch macht Fehler, aber Fluglotsen sind jene Menschen, die am wenigsten machen dürfen.»

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor SkyNews.ch, bewertet die vorläufigen Ergebnisse zum Kampfjet-Absturz. Er sagt: «Der Pilot muss dem Fluglotsen vertrauen können.»

Hansjörg Bürgi, Sie haben die Pressekonferenz verfolgt, welche Erkenntnisse ziehen Sie daraus?

Hansjörg Bürgi: Ich hatte darauf gehofft, dass so schnell und so umfassend öffentlich über den Stand der Untersuchungen informiert wird. Ansonsten wären weiter Halbwahrheiten über die Medien verbreitet worden. Überrascht hat mich, dass die Flugsicherung dem Piloten tatsächlich eine falsche Flughöhe angegeben hat. Das darf einfach nicht passieren.

Die Flughöhe, die der Fluglotse dem Piloten angab, unterschied sich massiv von der Höhe, die es hätte sein müssen. Hätte der Pilot den Fehler selber erkennen müssen?

Es handelt sich um einen jungen Piloten, der erst frisch auf die F/A-18 umgestiegen ist. Ein erfahrener Pilot hätte vielleicht noch rechtzeitig reagieren können. Doch das lässt sich nur mutmassen. Ob der 27-jährige Pilot das nahende Unglück erkannt hat, werden wir wohl wegen des fehlenden Flugdatenschreibers nie erfahren.

Dieser wurde beim Aufprall vermutlich komplett zerstört, kommt das häufig vor?

Nein. Selbst beim ersten Absturz einer F/A-18-Maschine im Jahr 1998 konnte man den Flugdatenschreiber anschliessend noch auswerten. Dies obwohl das Flugzeug damals senkrecht in den Boden knallte. Vieles wird man aber auch ohne Flugfahrtenschreiber nachvollziehen können. Beispielsweise mithilfe der Radaraufzeichnungen oder der Funksprüche.

Wird dieser Unfall dem Vertrauensverhältnis Pilot – Fluglotsen schaden? 

Der Pilot muss sich voll auf die Flugsicherung verlassen können. Vor allem dann, wenn er nichts sieht, wie dies am Tag des Flugunglücks, am 29. August in Meiringen, der Fall war.

Was für Lehren kann das Militär oder die Flugsicherung aus dem Unfall ziehen?

Man muss die Erkenntnisse aus dem Unfall sicherlich in die Ausbildung der Fluglotsen einfliessen lassen. Jeder Mensch macht Fehler, aber Fluglotsen sind jene Menschen, die am wenigsten machen dürfen.

Und die Piloten?

Bei ihnen fand ein Umdenken bereits nach der Flugzeugkollision von Überlingen 2002 in Deutschland statt. Damals wies der Schweizer Fluglotse am Boden die Besatzung über dem Bodensee an zu sinken, anstatt den Steigflug einzuleiten. Nach kurzer Diskussion entschied sich die Crew, den Anweisungen zu folgen. Der Vorfall zeigte: Die Piloten müssen die Entscheidung letztlich selber treffen. Heutzutage stehen ihnen nebst dem Fluglotsen auch viele technische Hilfsmittel zur Verfügung, an denen sie sich orientieren können.

F/A-18-Absturz: Vertrauen in Skyguide intakt

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Bern - 6.9.16. - Zurzeit deutet vieles auf menschliches Versagen hin. Wäre der Pilot der verunglückten Maschine noch am Leben ohne den vermeintlichen Fehler von einem skyguide-Mitarbeiter? Ein Stabsoffizier betätigt auf jeden Fall das Vertrauen in skyguide.

Wird dieser Unfall das Bild der Schweizer Luftwaffe in der Öffentlichkeit verschlechtern?

Das denke ich nicht. Der Unfall zeigt, unter welchen Bedingungen Piloten ihren Job machen müssen. Egal, wie das Wetter ist, sie müssen in die Luft. Sie müssen das können und können das auch.

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