F/A-18-Absturz

Aviatik-Experte: «Bis 1998 verloren wir alljährlich Kampfjets»

Peter Brotschi (56), ist Lehrer, Aviatik-Journalist und Solothurner CVP-Kantonsrat. Er ist Autor des Buchs «Gebrochene Flügel. Alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe», Orell-Füssli-Verlag 2006.

Peter Brotschi (56), ist Lehrer, Aviatik-Journalist und Solothurner CVP-Kantonsrat. Er ist Autor des Buchs «Gebrochene Flügel. Alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe», Orell-Füssli-Verlag 2006.

Peter Brotschi hat Hunderte von Flugunfällen untersucht. Die Zahl der Abstürze in den letzten 15 Jahren sei extrem tief, sagt der Aviatik-Experte und Solothurner Kantonsrat.

Herr Brotschi, Sie haben ein Buch über alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe seit 1914 geschrieben. Überrascht Sie der Absturz einer F/A-18 im Kanton Obwalden?

Peter Brotschi: Mich überrascht vor allem, dass schon so lange nichts mehr passiert ist.

Tatsächlich?

Es ist der erste Kampfjetabsturz seit 1998. Zwischen 1960 und 1998 verloren wir alljährlich Jets. Allein 1981 stürzten neun ab. Als ich mein Buch 2006 publizierte, sah es so aus, als wäre die Geschichtsschreibung in diesem Bereich abgeschlossen. Seither kam es zum Absturz eines Superpuma-Helikopters, bei dem die Piloten überlebten, und jetzt ist eine F/A-18 abgestürzt. Das ist historisch betrachtet extrem wenig. Man hatte sich schon fast an diese Situation gewöhnt.

Trotzdem, Sie sagen: 1998 ist schon einmal ein Jet desselben Typs abgestürzt. Das macht zwei Abstürze auf eine Flotte von ursprünglich 34 Flugzeugen – ist das nicht zu viel?

Vor der Beschaffung der F/A-18 schrieb ich in einem Artikel für die «Solothurner Zeitung», 34 Jets seien relativ wenig. Das ist heute noch so: Ein Flugzeug kann auch im Friedensfall verloren gehen. Die risikolose Fliegerei gibt es nicht. Man kann nur versuchen, das Risiko zu minimieren.

Warum gibt es weniger Unfälle?

Die Sicherheit hat heute bei der Luftwaffe einen extrem hohen Stellenwert. Es gibt auch einen Zusammenhang mit der Anzahl Flugzeuge: Früher standen über 400 Kampfjets im Einsatz. Mit dem Hunter und dem Venom betrieb die Luftwaffe Erdkampf, das heisst, man flog relativ nahe am Boden. Dadurch kam es eher zu Unfällen.

Welche Absturzursachen sind am häufigsten?

Schlechte Wetterbedingungen, Verlust der Orientierung im Gelände, technische Probleme, aber auch mangelnde Geschwindigkeit.

Was geschieht auf Behördenseite üblicherweise nach einem Absturz?

Sie klären minuziös ab, was die Ursachen sein könnten. Es gibt Untersuchungen am Wrack und gerichtsmedizinische Abklärungen. Auch die Wettersituation wird analysiert.

Ist die F/A-18 noch ein sicheres Flugzeug?

Ohne Zweifel. Sonst hätten wir schon viel mehr Unfälle gehabt. Die F/A-18 hat zwei Triebwerke. Wenn eines ausfällt, führt das nicht gleich zum Absturz. Der Jet kann bis zum nächsten Flugplatz weiterfliegen.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Luftwaffe die Lebensdauer ihrer Jets aus Kostengründen immer weiter hinauszögert?

Nein. Entweder ist ein Flugzeug flugtauglich oder nicht. Komponenten, die ersetzt werden müssen, werden ersetzt. Wenn sich das nicht mehr lohnt, nimmt man die Flieger ausser Betrieb.

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