Energiewende

Avenir Suisse warnt vor voreiligem Alleingang im Strommarkt

Das AKW Gösgen im Kanton Solothurn

Das AKW Gösgen im Kanton Solothurn

Die wachsende Einspeisung von erneuerbarer Energien ins Netz setzen die konventionellen Kraftwerke in der Schweiz wirtschaftlich zunehmend unter Druck. Die Denkfabrik Avenir Suisse warnt jedoch davor, im Alleingang korrigierende Kapazitätsmechanismen zu schaffen.

Die Subventionierung erneuerbarer Energien in Europa verzerre die Strommärkte und stelle die Wirtschaftlichkeit konventioneller Kraftwerke immer mehr in Frage, heisst es in einer in Zürich vorgestellten Studie zum Atomausstieg. Diese Kraftwerke seien jedoch als Back-up dringend nötig, um die Schwankungen bei der Produktion von erneuerbaren Energien auszugleichen.

Laut Avenir Suisse erwägen deshalb immer mehr Länder die Einführung so genannter Kapazitätsmärkte. Dabei sollen Stromunternehmen dafür entschädigt werden, dass sie Kraftwerkskapazitäten bereitstellen für den Fall, dass die Sonnen- und Windkraft nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken und die Spannung im Netz sicherzustellen.

Von dieser Entwicklung in Europa sei die Schweiz aufgrund ihrer engen Vernetzung und der grossen Bedeutung des Stromhandels direkt betroffen. Sie importiere nicht nur die von den "subventionierten erneuerbaren Energien verursachten Marktverzerrungen", sondern auch die "preissenkenden Effekte allfälliger Kapazitätsmechanismen".

Für den Verfasser der Studie, Urs Meister, Energieexperte und Gechäftsleitungsmitglied von Avenir Suisse, ist deshalb klar: "Bei einer allgemeinen Einführung von Kapazitätsmechanismen in den Nachbarländern wäre es für die Schweiz wohl ziemlich schwierig, abseits zu stehen."

Erst einmal abwarten

Derzeit bestehe jedoch kein Anlass für einen "vorschnellen Alleingang". Ein auf die Schweiz beschränkter Kapazitätsmarkt sei aufgrund der hohen administrativen Kosten, der fehlenden Liquidität und wegen des mangelnden Wettbewerbs auf jeden Fall ineffizient. "Die inländischen Verbraucher würden die Kosten des Mechanismus tragen, hätten aber keinen Gegenwert."

Meister hält eine "abwartende Strategie" für sinnvoller. Das könne sich die Schweiz leisten, da auf absehbare Zeit kein akuter Mangel an Kraftwerkskapazität im Inland bestehe - auch nicht nach der Abschaltung der ältesten Atomkraftwerke.

Förderpraxis neu regeln

Nach Ansicht von Avenir Suisse sollte die Schweiz den wachsenden Marktverzerrungen durch "fluktuierende erneuerbare Energien" auf der Nachfrageseite begegnen. Die Verbraucher sollten bedeutend stärker als heute auf kurzfristige Preisveränderungen reagieren.

Erreicht werden könne dies durch den kombinierten Einsatz von Smart Metering (intelligente Zähler) und marktnahe Tarife. Solche Lösungen würden jedoch durch die unvollständige Marktöffnung bei kleinen Verbrauchern behindert.

Als nicht nachhaltig bezeichnet Avenir Suisse angesichts der anhaltenden Subventionierung von erneuerbaren Energien die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Diese verschärfe nicht nur das Investitionsproblem bei den konventionellen Kraftwerken, sondern werde auch immer inneffizienter. Wolle die Politik unbedingt an einer Förderung festhalten, müsse diese grundsätzlich neu konzipiert und enger am Markt angerichtet werden.

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