Umfahrung Ottenbach
Autobahnzubringer-Entscheid erst im Herbst im Kantonsrat?

Es ist nicht auszuschliessen, dass der Kantonsrat erst im Herbst 2010 über den Kredit eines Autobahnzubringers Ottenbach-Obfelden befinden wird. In der Baudirektion wird derzeit der Antrag an den Regierungsrat ausgearbeitet.

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Haas

Haas

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Werner Schneiter

Im Mai 2009 stimmte der Regierungsrat einer optimierten Umfahrungsvariante westlich der Fabrik Haas in Ottenbach zu. Und im Oktober 2009 sagte er definitiv Nein zu einer Umfahrungslösung in Obfelden. Es bleibt beim Entscheid für eine Zubringervariante durch den Ortskern des Dorfteils Bickwil.
Die Prognose, wonach der Kantonsrat noch in diesem Frühjahr über einen Gesamtkredit in der Höhe von rund 60 Mio. Franken befinden wird, ist inzwischen überholt. Das Vorprojekt wird derzeit in der Baudirektion bearbeitet. Unbestätigten Aussagen zufolge will der Kanton beim Bund einen höheren Anteil am Autobahnzubringer-Gesamtkredit erwirken: 30 Mio. Franken statt der vom Bund ursprünglich zugesicherten 25 Mio. Franken.
Ende März werden die betroffenen Gemeinden nochmals über das Vorhaben informiert. Danach folgt der regierungsrätliche Beschluss samt Kreditantrag und die Behandlung der Vorlage durch eine kantonsrätliche Kommission. Erst danach geht sie an den Kantonsrat. «Wir wollen das Projekt vorantreiben, die Angelegenheit ist ja ziemlich im Rückstand», sagt Anselm Schwyn, Kommunikationsbeauftragter des kantonalen Amtes für Verkehr und fügt bei: «Eine Behandlung durch den Kantonsrat im Frühjahr ist unwahrscheinlich. Die Geschäftslast des Parlaments ist gross. Es ist zudem noch nicht bekannt, ob sich Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer mit der Angelegenheit befasst oder bereits ihr Nachfolger Ernst Stocker.»
«Es kann Herbst werden, bis die Vorlage in den Kantonsrat kommt», glaubt alt Nationalrat Rolf Hegetschweiler. Er ärgert sich über die Aussagen des neuen Kantonsplaners Wilhelm Natrup. Dieser gab im Rahmen einer Veranstaltung im Affoltemer «LaMarotte» den Autobahnzubringerkonzepten in Ottenbach und Obfelden nur mässige Chancen. «Mit diesen Summen könnten in Ballungszentren wie Pfäffikon wesentlich mehr Menschen vom Verkehr entlastet werden», sagte Natrup («Anzeiger» vom 26. Februar). «Deplatzierte Aussagen», findet Hegetschweiler.

Lobbyarbeit bei den Fraktionen

Der Ottenbacher Gemeindepräsident Kurt Weber, der für die FDP auch im Kantonsrat sitzt, will die kantonsrätlichen Fraktionen von der Notwendigkeit der Massnahmen in Ottenbach und Obfelden überzeugen. Er sucht im Vorfeld der Debatte im Kantonsrat das Gespräch mit den Fraktionspräsidenten und will auch mit den Kantonsrätinnen und Kantonsräten aus dem Säuliamt reden. Hans Läubli, der Vertreter der Grünen aus Affoltern, kann mit den in Obfelden geplanten Massnahmen «leben». «Einer Umfahrung Ottenbach werde ich aber keinesfalls zustimmen», sagte er auf Anfrage. Lisette Müller, EVP-Kantonsrätin aus Knonau, bekommt unterschiedliche Signale aus den betroffenen Gemeinden. «Sehe ich aber, dass die Bevölkerung hinter den Vorhaben steht, werde ich mich im Kantonsrat selbstverständlich dafür einsetzen», hält sie fest.
Auch nach einem Ja des Kantonsrates kann sich die Angelegenheit weiter verzögern – falls das Referendum ergriffen wird oder dann in der Planungs- und Bewilligungsphase, wenn Rekurse möglich sind. Wird letztlich das Bundesgericht bemüht, so gibts wohl vor 2015/2016 weder eine Umfahrung Ottenbach noch eine optimierte Ortskerndurchfahrt im Obfelder Dorfteil Bickwil.

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