Zonenplan Wenslingen

Ausser Spesen nichts gewesen

Dumm gelaufen: Der Wenslinger Primarschulumbau entpuppt sich als Steilpass für Schnitzelbänkler. (Bild: Kenneth Nars)

Wenslingen

Dumm gelaufen: Der Wenslinger Primarschulumbau entpuppt sich als Steilpass für Schnitzelbänkler. (Bild: Kenneth Nars)

Mit dem Umzug der Gemeindeverwaltung verheddert sich der Wenslinger Gemeinderat im Zonenplan. Das Projekt wird für mindestens fünf Jahre auf Eis gelegt.

Daniel Haller

«Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt», schrieb Wilhelm Busch. Dabei war alles so schön aufgegleist: Im Mai 2008 sprach die Gemeindeversammlung Wenslingen 60 000 Franken Projektierungskredit für die Umnutzung des Primarschulhauses: Nachdem klar gewesen war, dass die Sekundarschule im August 2009 nach Gelterkinden umzieht, konnte man die Rochade planen: Die Primarschule zieht um in die verwaiste Sek und macht Platz für den Umzug der unter beengten Verhältnissen leidenden Gemeindeverwaltung.

Dafür sollte der alte, strassenseitige Eingang des Primarschulhauses, der vor Jahren zugemauert worden ist, geöffnet und mit einer stattlichen Treppe versehen werden. Auf der Nordseite war ein behindertengerechter Zugang vorgesehen. Und um den Umbau der Schulstuben im Parterre in Gemeindebüros finanzieren zu helfen, sollten im ersten Stock zwei Wohnungen entstehen.

«Immer kommt mir was dazwischen»

Im Februar 2009 hat die Gemeindeversammlung dann 1,3 Millionen Franken für den Umbau bewilligt. Doch: «Ach der Tugend schöne Werke, gerne möcht' ich sie erwischen. Doch ich merke, doch ich merke, immer kommt mir was dazwischen», dichtete schon der alte Busch.

Dazwischen kam in diesem Fall, ganz ohne Poesie, das kantonale Bauinspektorat: «In der Zone, in der das Primarschulhaus liegt, sind nach geltender kantonaler Praxis keine Privatwohnungen erlaubt. Diese Zone ist ausdrücklich nur für Bildungsbauten vorgesehen. Eine Dienstwohnung würde das Bauinspektorat allenfalls tolerieren», erklärt Adrian Baumgartner, der Sprecher der Bau- und Umweltschutzdirektion. «Vor der anstehenden Gemeindeversammlung erachten wir weitere Auskünfte als nicht sachdienlich.»

«Drum prüfe, wer sich ewig bindet»

Nun könnte man meinen, ein Zonenplan liesse sich ändern. Doch «was der Gemeinderat nicht berücksichtigt hat, ist die Zonenplanbeständigkeit», heisst es dazu in der Einladung für die Gemeindeversammlung. «Zonenpläne müssen gemäss Bundesgerichtentscheiden eine Beständigkeit von 10 bis 15 Jahren gewährleisten. Bei uns liegt die letzte Veränderung erst zwei Jahre zurück.»

Der Gemeinderat muss das Projekt deshalb verschieben: «Das Vorhaben wird während der folgenden circa fünf Jahren ruhen. In der alten Verwaltung müssen wir mit Notlösungen diese Zeit überbrücken.»

«Ich habe eine Weile benötigt, um das zu verdauen», gesteht Gemeindepräsident Alexander Gloor. «Wir leben in einer Reglementsflut, die uns zur Handlungsunfähigkeit verurteilt.» Doch könne eine Gemeindeversammlung nicht übergeordnetes Recht umstossen.

Gloor sieht keine Möglichkeit, den Umbau auf der Basis des gesunden Menschenverstands voranzutreiben: «Jetzt mit der Brechstange zu agieren, wäre falsch. Die Gesetze sind demokratisch abgesegnet. Wie könnten wir als Gemeinde künftig Reglemente durchsetzen, wenn wir selbst dagegen verstossen würden?»

Da stellt sich nur noch die Frage, ob der Gemeinderat nicht bei der Revision des Zonenplans den geplanten Umbau bereits hätte berücksichtigen müssen. Denn wie schrieb Schiller? «Drum prüfe, wer sich ewig bindet, (...) der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang.»

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