Auslegeordnung zur Schulpolitik von morgen

Steuert die Bildungspolitik mit der Neuauflage bescheidenerer Reformen nach dem Kleeblatt-Desaster auf dem richtigen Kurs?

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Urs Moser

Aargauer Bildungspolitik wohin? Mit dieser Frage befasste sich eine Tagung, zu welcher die SP-Kantonalpartei nicht nur Parteigänger nach Aarau geladen hatte. Das Thema scheint ein halbes Jahr nach der Kleeblatt-Abstimmung und der Ankündigung weniger weit reichender Reformen durch den neuen Bildungsdirektor Alex Hürzeler nicht mehr ganz so sehr unter den Nägeln zu brennen. Jedenfalls fanden nur knapp drei Dutzend Zuhörer den Weg in den Grossratssaal. Dort präsentierte zunächst die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr eine Auslegeordnung zum Schweizer Schulwesen. Ihr Fazit: Es gibt einige Schwachstellen, aber wir haben ein alles in allem gutes Schulsystem. Auffallend im internationalen Vergleich: Der Anteil von Kindern, die bereits im Vorschul- bzw. Vorkindergartenalter in irgendeiner Form ausserfamiliär betreut werden, ist hierzulande sehr tief. Sehr hoch, jedenfalls für ein Land, das mehr in die Bildung investiert als die meisten, ist der Anteil von Schulabgängern, die über ungenügende Kenntnisse der von der Volksschule vermittelten Basisfähigkeiten verfügen.

Vorbild Schweden

Vorbildlich scheinen der Referentin Schulorganisationen in Skandinavien, insbesondere Schweden. Die Frühförderung von Kindern bereits im Vorschulalter, der hohe Stellenwert der Lehrerausbildung, der Einbezug der Eltern in den Schulalltag, wie man ihn dort antrifft: Das sind für SP-Vizepräsidentin Jacqueline Fehr entscheidende Faktoren für ein erfolgreiches Schulmodell. Und vor allem: Schule müsse aus der Sicht des Kindes gedacht werden.

Minimalkonsens erreichbar

Die Anknüpfungspunkte für die Diskussion spezifisch aargauischer Problemfelder waren schnell gefunden: Wie weiter beim Ausbau von Tagesstrukturen, wie weiter bei der Unterstützung von Lehrern mit Problemklassen insbesondere in der Realschule durch zusätzliche Ressourcen, wie weiter bei der Begabtenförderung schon im Kindergartenalter? Unter der Gesprächsleitung von AZ-Redaktor Hans Fahrländer diskutierten darüber SVP-Grossrat Beat Unternährer, die SP-Grossräte Elisabeth Burgener und Thomas Leitch, FDP-Grossrätin Maja Wanner und Fachhochschuldozentin Christine Meier Rey. Nachdem der Grosse Rat die Regierung bereits auf verbindlichere Reformziele verpflichtete, als sie diese vorgelegt hatte, gingen die Meinungen weniger stark auseinander, als man es aufgrund der parteipolitischen Zusammensetzung der Runde hätte erwarten können. So gab Beat Unternährer etwa bekannt, dass er Thomas Leitch morgen im Grossen Rat in der Budgetdebatte bei einem Antrag unterstützen wird, der ein schnelleres Vorgehen zur Einführung von Zusatzlektionen für sozial belastete Klassen fordert. Allerdings sprach er dabei nur für sich persönlich und nicht für die SVP-Grossratsfraktion.

Auf SP-Seite wiederum zeigte man sich damit einverstanden, dass die flächendeckende Einführung von Tagesstrukturen, wie von der Regierung vorgesehen, von den Bildungsreformen entkoppelt via Sozialgesetzgebung geregelt werden soll. Es sei der richtige Schritt, die Strukturen so wachsen und Akzeptanz gewinnen zu lassen, statt gleich auf einer unrealistischen Forderung nach einem flächendeckenden Tagesschul-System zu bestetehn, meinte Elisabeth Burgener. Für eine Politik der pragmatischen Schritte plädierte auch Maja Wanner. Sie glaubt daran, dass sich mit erfolgreichen Schulversuchen zum Beispiel auch für die in der Kleeblatt-Abstimmung klar verworfene Basisstufe eine breite Akzeptanz schaffen lässt. Etwas skeptischer zeigte sich da die Wissenschafterin: Aus fachlicher Sicht sei es nicht angezeigt, etwa am Kleinklassensystem festzuhalten und die integrative Schulung den Gemeinden freiwillig zu überlassen.

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