Flugzeugentführung

Ausland lacht über Schweizer Luftwaffe: «Bitte nur zu Bürozeiten kommen»

Am Boden während in der Luft die Post abging:  FA-18-Flieger auf dem Flugplatz in Meiringen.

Am Boden während in der Luft die Post abging: FA-18-Flieger auf dem Flugplatz in Meiringen.

Die Schweizer Luftwaffe blieb gestern am Boden, als sich ein entführtes äthiopisches Flugzeug Genf näherte. Das Ausland spottet über das Loch im Schweizer Himmel - zumal die Pforten am Boden gleichzeitig dicht gemacht werden.

Mit dem Tipp: «Möchten Sie die Schweiz angreifen? Versuchen Sie es vor 8 und nach 17 Uhr» brachte es die Agentur Bloomberg auf den Punkt: Die Schweizer Luftwaffe blieb gestern am Boden, als sich das entführte Flugzeug Genf näherte.

Dabei hat die Schweiz das erforderliche teure Gerät: Die F/A 18 sei das ideale Flugzeug für den Luftpolizeidienst in Friedenszeiten, wie der inzwischen pensionierte Luftwaffenchef Markus Gygax vor vier Jahren dem «Tages-Anzeiger» anvertraute. «Unsere Luftwaffe steht im internationalen Vergleich sehr gut da.»

Löcher im Himmel

Wenn allerdings nachts ein Flugzeug unerlaubt in den Schweizer Luftraum eindringt, und auf ein AKW zusteuert, könne man es laut Gygax nicht abfangen. Selbst beim WEF mache die Luftwaffe zwischen Mitternacht und morgens um 6 «eine kleine Pause». «In dieser Zeit sind wir am Boden aber in Alarmbereitschaft.»

So war es wohl auch am Montagmorgen. Und das wurde im Ausland sehr aufmerksam registriert.

«Während italienische und französische Militärflugzeuge Alarmstarts machten, um das Flugzeug zu begleiten, stieg kein Schweizer Jet in die Luft, weil die Schweiz gar nicht die Möglichkeit hat, einen entsprechenden Dienst rund um die Uhr sicherzustellen», hiess es im Bericht der «Washington Post» (Dienstagausgabe). In der gleichen Zeitung warf man auch die Frage auf, warum sich der Copilot ausgerechnet die Schweiz ausgesucht hatte - wo doch das Stimmvolk eine Woche zuvor die Kontingentierung der Zuwanderung beschlossen hatte.

«Im Bett gelegen»

Die «Süddeutsche Zeitung» berichtet ebenfalls vom Anfangmanöver der französischen und italienischen Jets. «Wohlgemerkt nicht von der Schweizer Luftwaffe», «in der Tat sei die eidgenössische Luftwaffe grundsätzlich nur zu Bürozeiten einsatzbereit.» Die Süddeutsche zitiert auch den «Blick», der den Schweizer Militärpiloten unterstellte, sie hätten «wohl noch im Bett gelegen». «Eidgenössische Militärflieger wären erst ab 8 Uhr bereit gewesen», erklärt man auch in der «Frankfurter Allgemeinen».

Laut einem Bericht der Römer Zeitung «Repubblica» wird der italienische Luftraum rund um die Uhr überwacht. Italienische Kampfflugzeuge hatten die entführte Boeing bereits auf der Höhe von Sizilien angefangen und danach bis kurz vor Genf begleitet. Von der Schweizer Luftwaffe war nicht die Rede. Allerdings beklagte sich ein etwas unkundiger Leser des «Corriere de la Sera»: Das kann doch nicht wahr sein, dass ein Flugzeug, von dem man seit dem Überflug des Sudan wusste, dass es entführt war, unbehelligt in den EU-Luftraum eindringen konnte und nur dank der Schweizer Luftwaffe in Genf landen konnte?»

Mittags wird (gut?) gegessen

Und laut einem Bericht der «Il Sole 24 Ore» hatten die italienischen Piloten das Flugzeug bis zur französischen Grenze begleitet und dann den französischen Piloten «übergeben».

In Frankreich warf die Entführung keine grossen Wellen. «Le Monde» berichtete nur am Rande über den Einsatz der eigenen Piloten im gleichen unaufgeregten Ton, über den man über eine Billet-Grosskontrolle in der Pariser Metro berichten würde. «Die Schweizer Luftwaffe interveniert nur zu Bürozeiten», hiess es auch hier. Wobei: Im Land der hohen Esskultur registriert man ein kleines, wichtiges Detail, das woanders übersehen wurde: Zwischen 12 Uhr und 13.30 Uhr macht die Schweizer Luftwaffe Mittagspause. «Und denen wollten wir unsere teure Rafale verkaufen!»

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