Ein Festzug der SBB Cargo wird der erste Zug sein, der fahrplanmässig durch das Jahrhundertbauwerk fahren wird. Das geht auch mit Spitzentempo. Der Güterzug mit integrierten Personenwagen macht sich um 04.54 Uhr in Basel SBB auf den Weg nach Lugano. Knapp eine Stunde später startet in Zürich der erste reguläre Personenzug seine Reise zum neuen Tunnel im Gotthard.

Dem Ereignis der ersten Durchfahrt wohnen Verantwortliche der SBB sowie Gäste und Kunden gleichermassen bei. Etwas nach acht Uhr kommen die Züge im Bahnhof von Lugano an, wo die Inbetriebnahme des Jahrhundertwerks in einem feierlichen Akt mit offiziellen Ansprachen, Apéro und "Basler Läckerli" gefeiert wird.

Mit der Inbetriebnahme fahren nun alle InterCity- (IC), InterCity-Neige- (ICN) und EuroCity-Züge (EC) durch den Gotthard-Basistunnel. Die Fahrzeit wird dadurch um 30 Minuten verkürzt. Zudem wird der EC nach Italien und zurück wieder in den nationalen Takt integriert, wodurch mehr und passendere Anschlüsse entstehen.

Eröffnung Gotthard-Basistunnel für Passagier-Züge

Abfahrt 06.09 Uhr

Der erste reguläre Passagierzug ist am Sonntagmorgen um 06.09 Uhr von Zürich in Richtung Gotthard-Basistunnel abgefahren - an Bord viele Bahnfans und geladene Gäste.

Eingeladen wurden Regierungsmitglieder aller Kantone, Mitarbeitende des Bundes, Parlamentarier sowie Vertreter der Bahnbranche. Auch SBB-Chef Andreas Meyer und SBB-Personenverkehrs-Leiterin Jeannine Pilloud sind an diesem Sonntagmorgen extra früh aufgestanden.

Das sehen die Gäste, wenn sie im Tunnel aus dem Fenster gucken:

Erste reguläre Zugfahrt durch den Gotthard-Basistunnel

Erste reguläre Zugfahrt durch den Gotthard-Basistunnel

Zürich - 11.12.16 - Mit dem Fahrplanwechsel fährt der erste reguläre Personenzug von Zürich nach Lugano durch den Gotthard-Basistunnel. Bei der Jungfernfahrt mit dabei ist auch SBB-CEO Andreas Meyer. Er begrüsst die Passagiere und nimmt in Lugano den kurz später ankommenden Güterzug in Empfang.

Neben den geladenen Gästen hat es aber auch für Bahnfans und reguläre Passagiere ausreichend Platz. Die SBB setzt für die Jungfernfahrt extra eine lange Doppelkomposition ein. Um kurz vor halb neun Uhr soll der erste Passagierzug dann in Lugano eintreffen.

SBB-Chef: "Wie Weihnachten"

Für SBB-Chef Andreas Meyer ist der Tag der Gotthard-Erstfahrt "ein Tag wie Weihnachten". Er freue sich sehr, dass es jetzt endlich losgehe.

Meyer stellte sich für die Durchsage auf dieser historischen Erstfahrt gleich selber ans Mikrofon. "Vergessen Sie nicht, es geht jetzt nicht mehr lange ins Tessin", sagte er zu den Passagieren. Für das Frühstück könne man sich jetzt nicht mehr endlos Zeit lassen.

Erinnern Sie sich? Die Eröffnungsshow vom Juni in Bildern:

Fahrplanwechsel: Die wichtigsten Neuerungen

Fahrplanwechsel: Die wichtigsten Neuerungen

Zürich - 24.11.16 - Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr, erklärt die wichtigsten Neuerungen anlässlich einer Medienkonferenz Ende November. Mit dem Fahrplanwechsel wird der Gotthard-Basistunnel in Betrieb genommen und die Billetpreise steigen weiter an. (Wiederversand / Erstversand am 24.11.16)

Meyer weiss schon genau, was er mit der halben Stunde Zeitersparnis künftig im Tessin machen will. Er habe vom Bürgermeister von Lugano viele gute Tipps bekommen, wo es guten Kaffee gebe. "Und ich weiss jetzt auch, wo ich eine 6-Kilo-Salami kaufen kann", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Die zusätzliche halbe Stunde will der SBB-Chef aber nicht nur gastronomisch nutzen. "Ich könnte mich in dieser Zeit auch mit den italienischen Kollegen treffen und mit ihnen an der Verbesserung der Pünktlichkeit arbeiten."

Mehr Shoppingtrips in den Süden

Auch für SBB-Personenverkehrs-Leiterin Jeannine Pilloud ist der Tag speziell - wegen dem Fahrplanwechsel allerdings auch mit etwas Spannung verbunden. "Es ist wie bei einem Theaterstück. Man probt es oft, aber erst am Tag selber merkt man, ob es klappt", sagte sie.

Im Zeitraffer: Mit Hochgeschwindigkeit durch den neuen Gotthard-Basistunnel.

Im Zeitraffer: Mit Hochgeschwindigkeit durch den neuen Gotthard-Basistunnel.

Was die Zeitersparnis betrifft, denkt Pilloud zuerst ans Arbeiten. "Die Sitzungen im Tessin können jetzt eine halbe Stunde früher beginnen. Das werden nicht alle gerne hören." Aber auch für ihre Freizeit weiss sie, was sie mit der gewonnenen Zeit machen will: "Die Shoppingtrips in den Süden werden jetzt wohl noch etwas häufiger werden, oder sie dauern länger und werden teurer."

Panne am Eröffnungstag

Ein Güterzug ist am Sonntagnachmittag im Gotthard-Basistunnel steckengeblieben. Ein ICE, der auf den Güterzug folgte, konnte diesen zwar überholen, verspätete sich aber um zwölf Minuten.

Ein anderer Folgezug Richtung Norden, ebenfalls ein ICE, musste auf die Bergstrecke ausweichen und erhielt eine Verspätung von 40 Minuten. Gemäss Auskunft einer SBB-Sprecherin ist der Grund für die Panne noch unbekannt. Mit der Eröffnung des Basistunnels habe der Zwischenfall wohl aber nichts zu tun.

Derzeit können die Züge zwar durch den Basistunnel verkehren. Reisende müssen aber mit einer Verspätung von bis zu neun Minuten rechnen.