Eddy Schambron

Bei den Hausbesuchen wird auf das tatsächliche Wohnverhältnis und die Vermögenssituation geachtet. «Aufgrund dieser Massnahme wurden im vergangenen Jahr zwei Gesuche aufgrund der Vermögenssituation zurückgewiesen», wird im Newsletter festgehalten. In einem Fall konnte ein Missbrauch gegenüber der Ergänzungsleistung aufgedeckt werden.

Neben dieser Kontrollfunktion erhalten die Sozialen Dienste einen praktischen Einblick in die Lebenssituation der gesuchstellenden Personen. «Die Fallanalyse zieht den Lebensalltag der Klientel dadurch stärker mit ein, sodass nachfolgend eine solide Grundlage für eine effiziente Hilfestellung entstehen kann.» Von der Klientel werde der Hausbesuch ohne weiteres zugelassen. «In einem Fall wurde die Massnahme verweigert, was jedoch rechtliche Konsequenzen durch die Gemeinde auslöste», halten Josef Villiger und Hampi Budmiger, Ressortvorsteher Soziales im Gemeinderat, fest.

Trennung und Scheidung

Hauptursache für Sozialhilfe sei nach wie vor eine Trennung oder Scheidung beziehungsweise die Situation als alleinerziehender Elternteil. Von 85 geführten Dossiers fallen deren 20 auf alleinerziehende Mütter. Die Altersgruppe zwischen 26 und 49 Jahren wird mit 45 Dossiers vertreten, gefolgt von jungen Erwachsenen mit 24 Dossiers und den Personen ab dem 50. Altersjahr mit 17 Dossiers. 57 Prozent (49) der Dossiers fallen auf Schweizer, 43 Prozent (36) auf Ausländer. In Bezug auf das Geschlecht ist ein geringer Unterschied auszumachen: 39 Dossiers fallen auf Männer und deren 46 auf Frauen.

In zwei Fällen mussten 2008 Massnahmen wegen häuslicher Gewalt eingeleitet wrden. Bei zwei Personen musste beim Bezirksamt ein Antrag auf Fürsorgerische Freiheitsentziehung (FFE) wegen Alkoholsucht eingereicht werden. «Das Thema hinterlässt in jedem Jahr Spuren im Sozialbereich», stellt Villiger fest.

Gesamtausgaben rückläufig

2008 wurden Gesamtausgaben von 723 514 Franken verzeichnet, davon 601 773 Franken für materielle Hilfe und 106 300 Franken Alimentenbevorschussung. Nach einem kontinuierlichen Kostenanstieg in den Jahren 2004 bis 2006 konnten erstmals in den vergangenen zwei Jahren rückläufige Gesamtausgaben verzeichnet werden. Dies sei vor allem auf die tiefe Arbeitslosigkeit und gute Wirtschaftslage zurückzu- führen. Im Vergleich zu anderen Gemeinden im Freiamt kommen die Kosten der Sozialhilfe pro Einwohner in Muri im Jahr 2007 auf 110 Franken. In Boswil (124 Franken), Wohlen (187) und Bremgarten (203) sind sie höher, in Merenschwand (60) tiefer.

«Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage wird sich ab 2009 ein neuer Trend entwickeln. Das Angebot bei Temporärbüros ist zurzeit im Bereich von niederschwelligen Tätigkeiten auf dem Stillstand angelangt. Die Ausgaben in der Sozialhilfe werden steigen.»