Schwarzseher
Aus diesen Gründen wollen Billag-Trickser nicht zahlen

Sie fordern, dass auch Zeitungen profitieren und haben Angst, wie damals beim Kiffen. So ticken jene, die bei den Gebühren schummeln.

Samuel Schumacher
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2015 meldet die Billag 2073 «Schwarzseher» beim zuständigen Bundesamt für Kommunikation. So viele wie nie zuvor.

2015 meldet die Billag 2073 «Schwarzseher» beim zuständigen Bundesamt für Kommunikation. So viele wie nie zuvor.

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Kaum ein Weg führt an den Billag-Gebühren vorbei. Bezahlen müssen alle Schweizer, die zu Hause ein Gerät haben, mit dem man Fernsehen schauen oder Radio hören könnte. Dazu zählen auch Tablets und Smartphones. Doch die Anzahl der Billag-Gegner, die die Rechnungen zur Finanzierung des öffentlichen Rundfunks partout nicht bezahlen wollen, ist gross. 2015 meldet die Schweizerische Erhebungsstelle für Radio- und Fernsehempfangsgebühren, wie die Billag offiziell heisst, 2073 «Schwarzseher» beim zuständigen Bundesamt für Kommunikation – so viele wie nie zuvor. Die Bussen betrugen bis zu 5000 Franken.

Doch die 2073 Schwarzseher sind nur die Spitze des Eisbergs. Die meisten, die nicht zahlen wollen, entkommen den Fängen der Billag-Eintreiber nämlich problemlos. Wie die 33-jährige Lehrerin aus Zürich, die zwar regelmässig Radio hört, aber noch nie einen Rappen an die Billag bezahlt hat. «Ich finde es unfair, dass die Gebühren nur dem Fernsehen und dem Radio zugutekommen. Ich würde sofort bezahlen, wenn auch Zeitungen und Online-Projekte unterstützt würden.»

Direkt mit der Gebührenbehörde in Kontakt kam ein ehemaliger Student, vor dessen Wohnungstür in Bern eines Tages plötzlich ein Billag-Mitarbeiter stand und fragte, welche Geräte bei ihm in der Wohnung stünden. «Ich habe ihm gesagt, ich hätte nur ein Radio. Er hat gar nicht gross nachgebohrt.» Der Billag-Mitarbeiter habe ihm gesagt, wenn dann das neue RTV-Gesetz käme, dann sei er sowieso pensioniert. Eine Rechnung erhalten hat der damalige Student bis heute nie.

Erwischt zu werden, ist peinlich

Und dann ist da noch der 28-jährige Kaufmann, der seit seinem Wegzug nach Zürich nie Billag zahlte. «Mir wäre das richtig peinlich, wenn mich jetzt jemand erwischen würde.» Voraussichtlich bis Anfang 2019 könnte das passieren. Danach tritt das neue RTV-Gesetz in Kraft und alle Haushalte müssen bezahlen, ganz egal, was für Geräte sie haben oder nicht.

Bis dahin muss der junge Zürcher wie Tausende andere Billag-Trickser im Land zittern. «Das ist irgendwie wie damals als Jugendliche, als wir Angst hatten, beim Kiffen erwischt zu werden.» Es gibt nur einen Unterschied: Beim Kiffen erwischt werden ist deutlich billiger, als Billag-Gebühren nachzahlen zu müssen.