Afghanistan

Aufgebrachte Menge in Kabul stoppt Kundgebung gegen neues Eherecht

Aufgebrachte Gegendemonstranten

Aufgebrachte Gegendemonstranten

Eine aufgebrachte Menge hat in Afghanistan einer Demonstration von Menschenrechtsaktivisten gegen die umstrittene Eherechtsreform für Schiiten ein vorzeitiges Ende bereitet. Bei einem anderen Vorfall in Kabul wurde ein Gegner der Neuregelung mit Steinen beworfen.

Zunächst demonstrierten vor der Universität von Kabul etwa 50 weibliche Abgeordnete und Menschenrechtsaktivisten gegen die geplante Ehe- und Familienrechtsreform, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Die Neuregelung für die schiitische Minderheit beleidige die Würde der Frauen, kritisierten die Demonstrierenden. "Wir wollen kein Taliban-Gesetz, wir wollen ein demokratisches Gesetz und ein Gesetz, das menschliche Würde garantiert", sagte ein schiitischer Geistlicher.

Kurz nach Beginn des Protestzugs wurde er durch etwa 500 Personen, darunter etwa 200 schiitische Frauen, bedrängt, die für das neue Eherecht eintraten.

"Gegen dieses Gesetz zu sein bedeutet, sich gegen den Islam aufzulehnen", sagte einer von ihnen. Wegen der zahlenmässigen Übermacht der Gegen-Demonstranten zogen sich die Menschenrechtsaktivisten zurück.

Im Westen Kabuls wurden ein Lehrer und Polizisten mit Steinen beworfen, nachdem er sich offenbar gegen die Eherechtsreform ausgesprochen hatte. "Dieser Lehrer ist ein Ungläubiger", rief ein Mann in der Menge.

Das neue Eherecht soll für die Schiiten im Land gelten, deren Anteil an der Bevölkerung rund 15 Prozent beträgt. Es sieht unter anderem vor, dass Frauen ihren Männern Sex nicht verweigern und nur in Notfällen ohne Erlaubnis des Ehemanns das Haus verlassen dürfen.

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