«Auf dem Land braucht es weniger Polizei»

Pro 700 Einwohner sollte es im Aargau einen Polizisten geben. Da die Bevölkerung des Aargaus ständig zunimmt, ist diese Vorgabe nur schwer zu erfüllen.

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Lilly-Anne Brugger

Die Statistik des Kantons erschreckt: Im unteren Fricktal gibt es pro 3500 Einwohner nur einen Regionalpolizisten. Im oberen Fricktal ist die Situation noch beunruhigender: Hier findet man auf mehr als 4000 Einwohner einen Regionalpolizisten. Gesetzlich gefordert ist aber 1 Polizist pro 700 Einwohner. Ein Wert, der nirgends im Kanton erreicht wird. Das Fricktal verfügt aber über eine der geringsten «Polizeidichten» im Kanton (AZ vom 29. Oktober).

Zwei Repol im Fricktal

Die Regionalpolizei Unteres Fricktal betreut die Gemeinden des Bezirks Rheinfelden und Münchwilen. Zur Repol Oberes Fricktal gehören die Gemeinden des Bezirks Laufenburg ohne Münchwilen. Zusätzlich werden auch die Gemeinden Densbüren, Bözen, Effingen, Elfingen und Hottwil von der Repol Oberes Fricktal betreut. Die Gemeinde Schwaderloch hatte sich im Jahr 2006 gegen eine Teilnahme an der Repol Oberes Fricktal ausgesprochen und sich bei der Kantonspolizei eingekauft. In diesem Jahr hat sich Schwaderloch aus finanziellen Gründen doch für die Zusammenarbeit mit der Repol Oberes Fricktal entschieden. (lbr)

Anton Mösch, Gemeindeammann von Frick und Vorsitzender des Führungsausschusses der Regionalpolizei Oberes Fricktal, relativiert: «Diese Richtzahl von 700 Einwohnern pro Polizist bezieht sich auf das ganze Kantonsgebiet. Im ländlichen Raum braucht es bedeutend weniger Polizisten.» Franco Mazzi, Stadtammann von Rheinfelden und Vorsitzender des Führungsauschusses der Repol Unteres Fricktal, pflichtet Mösch bei: «Diese Kennzahl ist lediglich ein Durchschnittswert und beinhaltet sämtliche Polizeikräfte, also zusätzlich zu den Repol-Beständen auch die der Kantonspolizei.»
Tatsächlich sind in der Statistik des Kantons nur die Regionalpolizeien berücksichtigt. Im Fricktal mit seiner grenznahen Lage ist aber neben der Repol und der Kantonspolizei auch die Grenzwache tätig. Ausserdem hat die Regionalpolizei Oberes Fricktal dieses Jahr einen zusätzlichen Polizisten eingestellt und wird im nächsten Jahr eine Polizeiaspirantin ihre Ausbildung beginnen. Mit diesen beiden Neueinstellungen steigt die Polizeidichte im oberen Fricktal auf rund 3300 Einwohner pro Polizist. Diese Zahl berechnet sich anhand der aktuellen Einwohnerzahl - diese steigt aber stetig. Erst letzte Woche konnte Landammann Roland Brogli die 600 000. Aargauerin willkommen heissen und auch die Bezirke Laufenburg und Rheinfelden wachsen. Eine Bevölkerungszunahme bei gleichbleibender Anzahl Polizisten würde bei den beiden Repol wieder zu einer niedrigeren Polizeidichte führen.

Diese Polizeidichte sei in der Kommission für öffentliche Sicherheit des grossen Rates diskutiert worden, erklärt Elisabeth Burgener, Grossrätin aus Gipf-Oberfrick und Mitglied der Kommission für öffentliche Sicherheit. Für sie ist klar, dass die Polizeidichte von einem Polizisten auf 700 Einwohner nur erreicht werden kann, wenn weitere Stellen geschaffen werden. Wenn der Bestand der Kantonspolizei mit dem Bevölkerungswachstum im Kanton Aargau Schritt halten soll, rechnet Burgener bis im Jahr 2017 mit über 100 zusätzlichen Kantonspolizisten. «Wir wollen Wachstum bei gleichbleibender Sicherheit, also ist die logische Folgerung, dass zusätzliche Mittel benötigt werden.»

Doch wie steht es momentan mit der öffentlichen Sicherheit im Fricktal? «Grundsätzlich, so meine Wahrnehmung, fühlen sich die Menschen im Fricktal sicher», so Elisabeth Burgener. Aber: «Grosse Probleme bestehen bei uns auf den Bahnhöfen, vor allem nachts.» Hansueli Bühler, Grossrat, Gemeindeammann von Stein und Präsident des Regionalplanungsverbandes Fricktal sieht es ähnlich: «Die Unsicherheit ist gerade an neuralgischen Punkten spürbar.» Bühler als verfechter der Einheitspolizei ist enttäuscht, dass mit der Aufteilung der Polizisten auf Repol und Kantonspolizei das Soll von 700 Einwohnern pro Polizist nicht erreicht werden konnte.

Grund dafür sieht er in den fehlenden finanziellen Mitteln: Die lokale Sicherheit ist Aufgabe der Gemeinden, somit müssten die Gemeinden höhere Repol-Beiträge bezahlen, damit mehr Polizisten eingestellt werden können. Trotzdem ist er der Meinung, dass die Repol nicht zu klein sind - auch wenn gewisse Gemeinden selber private Sicherheitsfirmen beauftragen müssen. Dies hänge aber damit zusammen, so Bühler, dass im Gemeindevertrag über die Repol die Aufgaben der Regionalpolizei klar definiert seien. Grössere Gemeinden hätten aber häufig zusätzliche Bedürfnisse.