Gripen

Auch Rüstungskonzern Ruag hätte lieber einen anderen Jet

Der VR-Präsident des bundeseigenen Rüstungskonzerns Ruag, Konrad Peter, ist offenbar nicht auf einer Linie mit Verteidigungsminister Ueli Maurer. Er äussert zurückhaltende Unzufriedenheit bezüglich der Gegengeschäfte mit Schweden.

Für überholt und veraltet hält SVP-Bundesrat Ueli Maurer die Kritik, welche die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrates (SiK) in ihrem Untersuchungsbericht an der Beschaffung des schwedischen Kampfflugzeuges Gripen geübt hat. Der Bericht stellt unter anderem die Qualität der von Schweden in Aussicht gestellten Gegengeschäfte infrage. Der Saab-Konzern habe «das kleinste industrielle Potenzial» aller drei evaluierten Anbieter, heisst es darin.

Seit der Veröffentlichung des Berichts gilt es als immer unwahrscheinlicher, dass das Verteidigungsdepartement (VBS) das Kompensationspaket der Schweden richtig eingeschätzt hat. Erst Mitte Februar teilte das VBS in einer Antwort auf eine Anfrage der Nationalrätin Jacqueline Badran (SP, ZH) mit, die Gegengeschäfte seien bei der Typenwahl nicht ins Gewicht gefallen. Der Grund: Alle drei an der Evaluation beteiligten Anbieter hätten eine Note «im Bereich ausgezeichnet» erhalten.

Nationalräte besuchten Hauptsitz

Doch wie Recherchen der az zeigen, äussert sogar Konrad Peter, Verwaltungsratspräsident des bundeseigenen Rüstungskonzerns Ruag, zurückhaltende Unzufriedenheit, wenn er auf die Gegengeschäfte mit Schweden zu sprechen kommt. Und das, obwohl sein Unternehmen mit rund einer Milliarde Franken vom Gripen-Deal profitieren soll. Gemäss mehreren Quellen liess Peter am Montag bei einem Besuch der SiK am Hauptsitz in Emmen durchblicken, dass das Kompensationspaket des Saab-Konzerns für die Ruag nur letzte Wahl gewesen sei.

Konkret thematisierte er bei seinen Ausführungen zum Thema Gegenschäfte den heute erzielten Umsatz mit den drei Kampfjetanbietern EADS, Dassault und Saab. Dabei soll er betont haben, dass die Ruag mit dem europäischen Konsortium EADS, das den Eurofighter produziert, die umfangreichsten Geschäftsbeziehungen pflege. An zweiter Stelle komme der französische Konzern Dassault mit dem Rafale-Jet und abgeschlagen an dritter Stelle der Saab-Konzern mit dem Gripen. Das Zusammenarbeitspotenzial bei EADS und Dassault sei grösser, da diese neben Kampfjets auch zivile Flugzeuge produzierten. Im Fall von Saab beschränkten sich die Geschäftsbeziehungen auf den Gripen.

In einem Nebensatz soll der Ruag-Präsident zudem erwähnt haben, dass nur ein Auftrag für ein umfassendes Upgrade der veralteten Tiger-F-5-Flotte der Schweizer Luftwaffe «noch lukrativer» als die Gegengeschäfte mit dem EADS-Konsortium gewesen wäre.

«Die Ruag ist neutral»

Auf Anfrage der az lässt Peter über seine Pressestelle ausrichten, dass die Ruag bei der Kampfjetbeschaffung neutral sei. Er bestätigt jedoch, dass er die Kundenumsatzvolumen der einzelnen Anbieter gegenüber der SiK erwähnt habe. Es treffe auch zu, dass es für die Ruag «attraktiv wäre», die veraltete Tiger-Flotte zu warten: «Ruag wäre für die kommenden Jahre in der Lage, den Tiger weiter einsatztauglich zu halten und ihn auch einem Upgrade zu unterziehen.» Der Entscheid liege letztlich bei der Politik.

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