Bildung

Auch Nidwalden will Frühfranzösisch abschaffen

Die Nidwaldner Primarschüler sollen kein Französisch mehr lernen. Der Regierungsrat hat sich am Mittwoch für eine Abschaffung des Frühfranzösischunterrichts ausgesprochen. Im Gegenzug soll der Französischunterricht an der Oberstufe ausgebaut werden.

Der Regierungsrat teilte am Mittwoch mit, er spreche sich für eine Verschiebung des Französischunterrichts an die Oberstufe (7.-9. Schuljahr) aus. Dies bedeutet, dass in der Primarschule (1.-6. Klasse) nur noch eine Fremdsprache, nämlich Englisch ab der 3. Klasse, unterrichtet wird. Französisch ab der 5. Klasse fällt weg.

Bereits das Thurgauer Kantonsparlament hatte am 13. August entschieden, dass an der Primarschule kein Französisch mehr unterrichtet werden solle. Dies löste in der Romandie und im Tessin heftige Kritik aus. Das Votum der Nidwaldner Regierung gegen das Frühfranzösisch hatte sich indes schon länger abgezeichnet.

Kritische Haltung

Vor knapp einem Jahr hatte das Nidwaldner Parlament einstimmig den Regierungsrat mit einem Postulat beauftragt, die Abschaffung des Französischunterrichts zu prüfen. Im April 2014 reichte die SVP eine Volksinitiative ein, die fordert, dass künftig an der Primarschule nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden solle.

Der Regierungsrat folgt in seinen Berichten zum Postulat und zur Initiative den Argumenten der Gegner von zwei Fremdsprachen für die Primarschüler. Die Kinder würden heute überfordert, Deutsch und Naturwissenschaften im Unterricht vernachlässigt.

Weiter schreibt der Regierungsrat, dass eine Umfrage im Kanton gezeigt habe, dass auch Lehrer und Eltern gegenüber dem heutigen Fremdsprachenunterricht kritisch eingestellt seien. Auch werde Englisch oft als wichtiger eingestuft als Französisch.

Keine Schwächung des Französischunterrichts

Der Regierungsrat betont aber, dass sein Entscheid nicht gegen die zweite Landessprache gerichtet sei. Es gehe in keiner Art und Weise darum, das Französisch zu schwächen, sagte Bildungsdirektor Res Schmid (SVP) auf Anfrage.

Ziel des Nidwaldner Regierungsrates sei es, dass die Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schulzeit die gleichen oder sogar die besseren Französischkenntnisse hätten als die heutige Schulabgänger. Die Französischstunden würden nicht gestrichen, sondern verschoben, sagte Schmid. Die Gesamtstundenzahl Französisch während der obligatorischen Schulzeit werde somit nicht reduziert.

Den Nutzen des heutigen Frühfranzösisch wird vom Regierungsrat relativiert. Heute haben in Nidwalden die Fünft- und Sechstklässler je zwei Stunden Französisch pro Woche.

Der Lerneffekt sei schmal, sagte Schmid. Wenn künftig in drei statt in fünf Jahren die Fremdsprache gelernt werde, sei dank der höheren Lektionenzahl der Repetitionseffekt stärker.

Zudem will der Regierungsrat einen verbindlichen Sprachaufenthalt für die Oberstufenschüler einführen. Die Details sind noch nicht festgelegt. Angedacht ist ein Austausch mit Kindern aus der Romandie während zwei bis vier Wochen.

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