Bundesrat
Auch Leuenbergers Lotse geht von Bord

Hans Werder, Generalsekretär und Stabschef im Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), geht mit seinem Bundesrat Moritz Leuenberger in Pension. Er hinterlässt ein schweres Erbe.

Niklaus Ramseyer
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Keystone

Der ältere Herr im hellen Regenmantel, dunklem Anzug und mit solidem Schuhwerk ist im Berner Tram 9 vom Breitenrain her meist ein früher Fahrgast – und abends dorthin ein später. Er hat oft eine schwere schwarze Mappe dabei, wenn er leicht gebeugt dem Bundeshaus zustrebt: Der Mann bringt erledigte Arbeit offenbar auch von zu Hause mit in seine Amtsstube.

Der Motor und die Kühlerfigur

Es ist Hans Werder, Generalsekretär und Stabschef im Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Seit 15 Jahren ist er in dem komplexen Laden mit gut 1900 Beschäftigten der zweite Mann hinter Bundesrat Moritz Leuenberger.

Doch mancher Energie-, Verkehrs- oder Umweltpolitiker in den Räten meint, es sei eher umgekehrt: Nur Werder habe im Uvek «den breiten Überblick bis ins Detail». Es kursiert der bissige Spruch: «Im Uvek ist Leuenberger die Kühlerfigur – der Motor darunter jedoch heisst Werder.» SVP-Nationalrat Max Binder (ZH), der die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF) präsidiert, stellt fest: «Hans Werder hatte einen prägenden Einfluss auf das Uvek. Mit grosser Kompetenz war er stets hilfsbereit, konziliant und effizient.» Binder bedauert: «Da geht ein guter Mann, ich habe hohe Achtung vor ihm.»

Werders schweres Erbe

Schwer wird es für Leuenbergers Nachfolgerin, Bundespräsidentin Doris Leuthard (CVP). Und erst recht für ihren Generalsekretär Walter Thurnherr, der das Erbe Werders als Uvek-Stabschef antreten will. Auf beide lauern in unterschiedlichsten Baustellen mannigfaltige politische Fallgruben. So ist etwa der Luftfahrtstreit zwischen Zürich, Bern und Berlin längst nicht ausgestanden. Und die Atomfrage wird in der Energiepolitik zu einem ganz heissen Eisen.

Das Duo Leuenberger/Werder hat in den letzten 15 Jahren manche Krise meistern müssen – etwa bei Problemen im Bundesamt für Zivilluftfahrt oder bei der Güterbahn. Und natürlich bei Zerwürfnissen in der Chefetage der Post. Dabei war Leuenberger sicher oft auf Werder angewiesen, wie die Politiker sagen. Aber umgekehrt bestimmt auch: Die beiden unterschiedlichen Typen ergänzten sich ideal.