Kommentar
Auch die politische Meinung von Menschen mit Behinderung muss gehört werden

Im Kanton Genf entscheidet das Stimmvolk am Sonntag darüber, ob Personen unter Beistandschaft, deren Intellekt eingeschränkt ist, künftig an die Urne dürfen. Heute wird ihnen das Stimmrecht generell verwehrt.

Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann
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Am Sonntag wird in Genf entschieden, ob Menschen mit intellektueller Einschränkung an die Urne dürfen sollen, oder weiterhin nur mit einer Ausnahmebewilligung.

Am Sonntag wird in Genf entschieden, ob Menschen mit intellektueller Einschränkung an die Urne dürfen sollen, oder weiterhin nur mit einer Ausnahmebewilligung.

CH Media

Gibt es gute und schlechte Stimmabgaben? Natürlich, jene des Gegners ist gewöhnlich die schlechte. Doch darum geht es nicht bei der Abstimmung am Sonntag in Genf. Dort wird entschieden, ob Menschen mit intellektueller Einschränkung an die Urne dürfen sollen, oder weiterhin nur mit einer Ausnahmebewilligung.

Es geht um die Frage, ob ihre Stimme vom Rest der Bevölkerung respektiert wird, auch wenn die Person den Entscheid - zumindest für das generelle Empfinden - nicht eloquent genug begründen kann. Denn, mal ehrlich: Wie viele Bürgerinnen und Bürger können das? Kann die Mehrheit die Konzernverantwortungsinitiative bis ins Detail juristisch erläutern, bis hin zu den Konsequenzen bei einem Ja? Kaum. Manche Leute stimmen mit dem Herz ab, manche mit dem Hirn, und manche mit dem Portemonnaie. Für den Städter mag der Entscheid des Bauern kognitiv absolut unverständlich sein, und umgekehrt ebenso. Doch beide Voten sind legal und werden gezählt.

Wieso sollte also die Stimme von Personen mit Trisomie-21 nicht akzeptiert werden? Auch sie haben eine Meinung, die vom Rest der Gesellschaft gehört werden sollte, denn sie sind ein Teil von ihr. Der Entscheidungsprozess mag ein anderer sein. Und das ist gut so. Beim Votum in Genf geht es um grundsätzliche Werte; das Hochhalten der Meinungspluralität und die Akzeptanz von sogenannt anderen Menschen. Unabhängig ihres Intellekts.

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