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Auch die EBL schielt ins Ausland

Prächtige Kulisse: In ungewohntem, aber passendem Rahmen hat die EBL ihre Delegiertenversammlung abgehalten: Zum 100-Jahr-Jubiläum der Genossenschaft Augst war die EBL im Römertheater Augusta Raurica zu Gast – und feierte den erfreulichen Jahresabschluss 2008. (zvg/Fotostudio Hamann Laufen)

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Prächtige Kulisse: In ungewohntem, aber passendem Rahmen hat die EBL ihre Delegiertenversammlung abgehalten: Zum 100-Jahr-Jubiläum der Genossenschaft Augst war die EBL im Römertheater Augusta Raurica zu Gast – und feierte den erfreulichen Jahresabschluss 2008. (zvg/Fotostudio Hamann Laufen)

Die EBL will in den kommenden Jahren Millionen in erneuerbare Energien stecken: Im Zentrum stehen Beteiligungen an Solarkraftwerken und Windparks in Südeuropa. Ohne die weniger umweltfreundliche Atomkraft wird die EBL nicht auskommen.

Hans-Martin Jermann

Der Stromverbrauch der 49 000 Kunden der Elektra Baselland (EBL) hat 2008 weiter zugenommen: Gegenüber dem Vorjahr ist der Stromverkauf um drei Prozent auf 664 000 Megawattstunden gestiegen. Vor allem die Privathaushalte und das Gewerbe legten mit einem Plus von mehr als fünf Prozent stark zu; dagegen stieg der Verbrauch bei Industrie und Landwirtschaft nur leicht an.

Eine Trendwende hin zu sinkendem Verbrauch ist nicht in Sicht. Deshalb sucht die EBL, die über 80 Prozent ihres Stromabsatzes einkaufen muss, nun nach neuen Quellen. Als «Drama» bezeichnet EBL-Chef Urs Steiner den Bau von Grosskraftwerken, der in der Energiestrategie des Bundesrates als dritte von vier Säulen vorgesehen ist. «Gas-Kombi-Kraftwerke lassen sich in der Schweiz wegen der CO2-Abgabe nicht finanzieren, das Potenzial der Wasserkraft ist ausgeschöpft. Wir müssen ein neues Atomkraftwerk bauen», sagt er.

30 Prozent erneuerbare Energie bis 2020

Mit Erleichterung hat Steiner vom Entscheid des Landrates Kenntnis genommen, auf ein Verbot von AKW-Beteiligungen für die Baselbieter Energieversorger zu verzichten. Die EBL ist zu sieben Prozent am Aktienkapital der Alpiq beteiligt; der neue Schweizer Energieriese liefert je zur Hälfte Strom aus Wasser- und Atomkraft an die EBL. Steiner betont aber auch, dass ein Verbot der Alpiq-Beteiligung rechtlich schwierig durchzusetzen gewesen wäre: Die EBL sei eine privatrechtliche Genossenschaft - und kein Staatsbetrieb, wie einige Politiker irrtümlich meinten.

Im Vordergrund stehe aber das Engagement in umweltfreundliche Technologien. «Bis 2020 will die EBL 30 Prozent ihres Stroms und Wärme aus erneuerbaren Quellen gewinnen», betont Steiner. Dabei schielt die EBL vermehrt ins Ausland. In Abklärung sei die Beteiligung an einem Solarkraftwerk in Spanien sowie einem Windpark in Italien, gibt Steiner zu Protokoll.

Allerdings will sich die EBL «im Sinne einer Überbrückung», wie Geschäftsleitungsmitglied Peter Schafroth anfügt, auch Bezugsrechte an einem Gas-Kombi-Kraftwerk im Ausland sichern. Wieviel Geld die EBL in ein Kraftwerkportfolio im Ausland stecken könnte, will der EBL-Finanzchef nicht verraten. Nur soviel: «Es muss einen substanziellen Beitrag an unsere Versorgung leisten - also müssen auch die Investitionen substanziell sein.»

Zum Vergleich: Der regionale Mitbewerber aus Münchenstein, die EBM, investiert in den nächsten vier Jahren 541 Millionen Franken in Kraftwerkprojekte im Ausland. Darunter sind ähnliche wie bei der EBL, aber auch ein Kohlekraftwerk in Deutschland, was der EBM bereits harsche Kritik eingetragen hat. «Bei Kohle machen wir nicht mit», grenzt sich der EBL-Finanzchef ab.

Telecom: Landesweit die Nummer vier

Angesichts der kontroversen Stromdebatte geht der Boom des Geschäftsfelds Telekommunikation bei der EBL leicht vergessen. Dabei lassen sich die Zahlen sehen: In lediglich fünf Jahren hat die EBL durch Netzzukäufe die Zahl ihrer Kabelfernsehkunden auf 67 000 versechsfacht - und dabei auch geographisch expandiert: Mehr als 40 Prozent der EBL-Kunden im Telekommunikationsbereich finden sich in der Romandie, schwergewichtig im Kanton Jura sowie in den Regionen Avenches und Grandson. Insgesamt versorgt die EBL Telecom rund 200 000 Einwohner mit Kabelfernsehen, Internet und Telefonie - ist damit landesweit hinter Swisscom, Cablecom und einem Westschweizer Anbieter zur nationalen Nummer vier aufgestiegen. Das ist schon beachtlich.

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