Der Wasserstand verschiedener Seen ist so tief wie nie zuvor im Mai. Für Wasservogelarten wie der Haubentaucher oder das Blässhuhn bedeute dies, dass sie gar nicht erst mit Nisten beginnen können, teilte die Vogelwarte Sempach am Donnerstag mit. Viele Schilfsäume säume würden auf dem Trockenen stehen und auf dem offenen See könne kein Vogel brüten.

Normalerweise gibt es für Amseln, Stare und Wacholderdrosseln im Mai Würmer im Überfluss. Nun aber weist der Boden vielerorts Risse auf und die Regenwürmer verkriechen sich tief ins Erdreich. So dürften dieses Jahr viele Jungen an Nahrungsmangel eingehen, heisst es weiter.

Den Wacholderdrosseln behagen die trockenen Bedingungen der letzten Jahre gar nicht: Seit 1999 halbierte sich ihr Bestand in der Schweiz.

Auch Waldbewohner habens schwer

In Schwierigkeiten sind auch viele Waldbewohner wie Meisen, Kleiber oder Trauerschnäpper. Bei ihnen sei optimales Timing entscheidend, denn mit Abstand am meisten fette Raupen gebe es kurz nach dem Laubaustrieb, schreibt die Vogelwarte.

Aber: In diesem Jahr wuchs das Laub derart schnell, dass die Waldvögel nicht mithalten konnten. Ihre Jungen schlüpften erst, als der "Raupensegen" bereits vorbei war.

Die extremen Witterungsbedingungen machen das Leben auch den Schwalben schwer. Sie bauen ihre Nester aus Lehm, Grashalmen und Speichel. Den Lehm finden sie üblicherweise an Pfützen.

Einige Vögel profitieren

Es gibt aber auch Arten, welche von der Trockenheit profitieren. Beispielsweise die Störche. Bei Regenperioden zur Brutzeit gehen normalerweise viele Jungstörche ein. Die meisten jungen Störche haben diese kritische Phase schon bald hinter sich. Deshalb wird bei den Störchen ein sehr gutes Brutergebnis erwartet.

Froh über die warmen Temperaturen dürfte auch der Eisvogel sein. Seine Bruthöhle wird sonst bei Frühjahrshochwasser häufig überschwemmt. Dieses Jahr besteht dieses Gefahr kaum. Zudem erleichtere der tiefe Wasserstand dem Eisvogel die Jagd nach Fischen, heisst es weiter.