Claudia Landolt Starck

Seit den deutschen Wahlen im September ist die Wahrscheinlichkeit stark gestiegen, dass die EU-Kommission ihre Pläne tatsächlich umsetzt. In ihrem Koalitionsvertrag kündet die neue deutsche Regierung an, dass sie «neue Fahrzeugkonzepte durch die Erhöhung der Grösse und Gewichte ermöglichen» will. Chancen und Risiken der Giganten sollen in bundesweiten Feldversuchen evaluiert werden. Bisher galt Deutschland als Gegner von grösseren Trucks. Laut André Kirchhofer, Leiter Politik und Kommunikation vom Schweizerischen Nutzfahrzeugverband (Astag),treten «Gigaliner in Deutschland keineswegs flächendeckend auf. Es gibt in einzelnen Bundesländern erst Testversuche.»

Aussderdem stelle die Astag eine «zunehmende Hektik der Umweltverbände in dieser Angelegenheit» fest. Es sei bei weitem nicht so, dass in der EU Einhelligkeit herrsche über die Einführung der Gigaliners. Es scheine, als wolle man dem Thema entsprechend Gewicht verschaffen.

Die Argumente der Luzerner Gegner gegen die 25 Meter-Trucks sind denn auch zahlreich: So nähme die Gefahr von verheerenden Unfällen deutlich zu. Der Aufprall eines Gigaliners auf eine stehende Kolonne hat weit schlimmere Folgen als der Aufprall eines kleineren Lastwagens. Wegen der deutlich grösseren Ladung können sich bei einem Unfall in einem Tunnel fatale und lange lodernde Brände entwickeln. Die Länge der Megatrucks führt ferner dazu, dass die toten Winkel grösser sind als bei den heutigen Lastwagen, die höchstens 18,75 Meter lang sind. Für Fussgänger und Velofahrer sind sie deshalb besonders gefährlich.

Das Hauptargument der Astag gegen die Zulassung der Riesen-Brummers hingegen ist die «mangelnde Infrakstruktur der Schweiz». André Kirchhofer weiter: «Unsere Brücken und Kreisel sind für so schwere Nutzfahrzeuge nicht geeignet. Unseren Lastwagen mangelt es im Verteilerverkehr nicht an Gewicht, höchstens an Volumen. Ausserdem ist der mancherorts beschriebene Effizienzgewinn für das Transportgewerbe kaum ein Vorteil. Gerade deshalb ist die ASTAG klar gegen die Erhöhung der Gewichtslimite.»