Endlager
Atommüll soll in Endlagern auch umverpackt werden

Die Endlagerung radioaktiver Abfälle birgt mehr politischen Zündstoff als bislang angenommen. Nun soll der hochradioaktive Abfall vor der Endlagerung auch umverpackt werden.

Christof Forster
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So sieht in den Konzepten der Nagra die Epfangsanlage zum Tiefenlager aus. Hier wird dereinst hochradioaktiver Abfall umverpackt.

So sieht in den Konzepten der Nagra die Epfangsanlage zum Tiefenlager aus. Hier wird dereinst hochradioaktiver Abfall umverpackt.

Zur Verfügung gestellt

Der harte Kern der AKW-Befürworter hat den Bau eines neuen Reaktors in der Schweiz noch nicht ganz aufgegeben – obwohl Bundesrat und Nationalrat den Ausstieg beschlossen haben. Nun kommt ein weiterer Rückschlag für die Atomanhänger. Die Endlagerung radioaktiver Abfälle wird politisch noch viel heikler als bislang angenommen, was den Neubau eines AKW zusätzlich erschwert. Denn bereits lange vor Fukushima galt eine glaubwürdige Lösung der Endlagerung als politische Voraussetzung für ein neues AKW.

Inzwischen sind die möglichen Standortgemeinden von Recherchen der «Sonntags-Zeitung» aufgeschreckt. Bislang war ihnen offenbar nicht bewusst, dass beim Eingang zum Endlager die Brennelemente neu verpackt werden. Diese Arbeit machen Roboter in einem Hochsicherheitsgebäude, das bewacht, gegen Terroranschläge und Flugzeugabstürze geschützt sowie strahlensicher sein muss. Die Brennelemente sind hoch radioaktiv. Die Umpackung ist notwendig, weil die Transportbehälter nicht geeignet sind für die Endlagerung.

Politiker überrascht

Politiker zeigen sich überrascht. Sie gingen davon aus, dass der radioaktive Abfall bereits fertig verpackt im Lager ankommt und dort direkt in den Untergrund verfrachtet wird, wie die Schaffhauser Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf sagt. Auch auf deutscher Seite regt sich Unmut (vgl. Kasten). Dem Kanton Aargau hingegen war bewusst, dass eine solche Umpackstation Teil des Endlagers ist. «Dies steht im Sachplan, der den Behördendelegationen bekannt war», sagt Susanne Steffen vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Die Nagra selbst hat die Anlage zwar erwähnt, aber nicht explizit auf die Details hingewiesen. Auf der Homepage der Nagra ist lediglich von einer Umladestation und einer Verpackungsanlage die Rede. «Wir haben nichts verheimlicht», sagt Nagra-Sprecher Heinz Sager. «Wir haben die Anlage thematisiert, vielleicht nicht in der Deutlichkeit wie jetzt die ‹Sonntags-Zeitung›.» Zudem würden sich die Regionen ab Anfang 2012 intensiv mit den Empfangsanlagen befassen.

Nagra in der Kritik

Linke Politiker kritisieren die Informationspolitik der Nagra. «Es ist eigenartig, dass solche Sachen immer nur häppchenweise auskommen», sagt der Aargauer SP-Grossrat Jürg Caflisch. Damit wecke die Nagra nur noch mehr Misstrauen bei der Bevölkerung. Auch dem Aargauer Grünen-Nationalrat Geri Müller war das Hochsicherheitsgebäude beim Eingang zum Tiefenlager nicht bekannt. Die Nagra fahre nicht gut mit ihrer Strategie, nicht offen zu informieren.

Laut Nagra wird die Umpackungsanlage rund fünf Kilometer entfernt vom eigentlichen Tiefenlager gebaut. Das heisst, dass neben der eigentlichen Standortgemeinde weitere Gemeinden vom Endlager betroffen sein werden. Mit entsprechend mehr Widerstand ist zu rechnen. Die Nagra bringt deshalb eine weitere Variante ins Spiel. Die Brennelemente könnten im Zwischenlager Würenlingen in die Tiefenlager-Behälter umverpackt werden. Dort steht bereits ein Hochsicherheitsgebäude. Diese Lösung hat einen Haken. Noch nicht gelöst ist der Transport von Würenlingen ins Endlager. Tiefenlager-Behälter sind dafür nicht genügend strahlungssicher.

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