Energiewende
Atomausstieg: Wer will schon ein Gaskraftwerk als Nachbar?

Energieträger wie Wasser oder Gas sollen den Atomausstieg ermöglichen. Ein geplantes Gaskraftwerk im neuenburgischen Cornaux liegt aber wegen über 300 Einsprachen auf Eis. Am Rheinfall stösst ein neues Wasserkraftwerk auf heftige Kritik.

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Gegen das Gaskombikraftwerk des Westschweizer Energieversorgers Groupe E in Cornaux (NE) hat sich massiver Widerstand aus der Region formiert. Bereits 312 Einsprachen gingen gegen das Projekt ein, schreibt der «Blick». Anwohner der 1500-Seelengemeinde wollen die 420-Megawatt-Anlage nicht. Auch die Umweltorganisation WWF bekämpft das 450 Millionen Franken teure Projekt.

Zwischen Bielersee und Neuenburgersee am Jurasüdfuss: Cornaux II
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Der Freiburger Energiekonzern Groupe E plant die 420-Megawatt-Anlage
Gegen das Projekt hat sich massiver Widerstand formiert.

Zwischen Bielersee und Neuenburgersee am Jurasüdfuss: Cornaux II

zvg

Cornaux II, wie das Werk bezeichnet wird, soll am Jurasüdfuss zwischen Bieler- und Neuenburgersee zu stehen kommen. Auf dem Gemeindegebiet stehen bereits eine Gaskraftanlage sowie eine Ölraffinerie. Cornaux II soll 10-mal mehr Strom produzieren als die bestehende kleinere Anlage und dereinst die Lücke schliessen, die das 390-Megawatt-Atomkraftwerk Mühleberg hinterlassen wird, wenn es 2020 aus dem Verkehr gezogen.

Das Bürgerkomitee gegen den Bau von Cornaux II warnt vor allem vor den zusätzlichen Umweltimmissionen. Die Gegner fürchten gesundheitliche Probleme in der Region, hervorgerufen durch Feinstaub und CO2, das die Luft verschmutzt, führt aber auch die zusätzlichen Lärmimmissionen und die Gefahr vor Explosionen ins Feld.

Mindestens ein Gaskraftwerk bis 2020

Groupe E hält an ihrem Projekt fest. Sämtliche für ein Gaskraftwerk nötigen Schnittstellen seien in der Industriezone von Cornaux bereits vorhanden, sagt ein Sprecher zum «Blick». Der Standort sei deshalb ideal.

Die Energiestrategie 2050 des Bundesrats sieht den Bau mindestens eines Gaskombikraftwerks bis 2020 vor. Doch auch im Wallis bewegt sich im zweiten Gaskraft-Projekt nichts. Gegen die bereits 2009 erteilte Baubewilligung für die Anlage in Chavalon liegen noch immer Einsprachen vor dem Walliser Verwaltungsgericht.

Bald weniger Wasser am Rheinfall?

Um eine Stromlücke zu füllen, die sich dereinst auftun könnte, wenn die AKW von Mühleberg und Beznau vom Netz gehen, steht für den Bundesrat aber nicht nur die Förderung der Gaskraft, sondern auch der Wasserkraft im Vordergrund.

Doch bei letzterer scheint die Zitrone ausgepresst: Wasserkraftwerke landauf, landab stossen auf heftige Kritik. Eben erst gestern in den Fokus gerückt: Ein geplantes grosses Wasserkraftwerk oberhalb des Rheinfalls, das den weltberühmten Wasserfall und Touristenmagneten während der Nacht zum Rinnsal machen könnte.

Während die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission bereits grünes Licht für das Projekt gegeben hat, steigt die Organisation Aqua Viva-Rheinaubund auf die Barrikaden. «Für uns ist der Rheinfall absolut unantastbar, es handelt sich um ein einmaliges Naturdenkmal», so Stefan Kunz von der Gewässerschutzorganisation in der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens. Den grössten Wasserfall Europas anzuzapfen sei ein «absoluter Tabubruch», so Kunz. (dfu)

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