Die AKW-Befürworter sind felsenfest davon überzeugt, dass sie den Entscheid des Nationalrats im Ständerat «korrigieren» können, schreibt die Zeitung „Der Sonntag". Dazu plant die Atomlobby, die Gegner mit einem doppelbödigen Trick schachmatt zu setzen: Sie will dem Atom-Ausstieg zustimmen und gleichzeitig die Atomenergie als Option erhalten.

Kernenergie nicht ganz beerdigen

Umsetzen muss das der Ständerat respektive die vorberatende Energiekommission Urek. Praktischerweise wird sie derzeit vom Präsidenten der atomfreundlichen Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz (Aves) geleitet, dem FDP-Ständerat Rolf Schweiger. Schweiger und seine Mitstreiter sollen nun die beiden entscheidenden Ausstiegs-Vorlagen, die Motionen von BDP-Präsident Hans Grunder und von CVP-Nationalrat Roberto Schmidt, so abändern, dass der Rat zustimmen kann, ohne die Kernenergie ganz zu beerdigen.

«Wir dürfen neue Kernenergietechnologien nicht absolut ausschliessen», sagt denn auch FDP-Ständerat, Urek-Mitglied und Leibstadt-Verwaltungsrat Rolf Büttiker. «Kernkraftwerke mit neuer Technik müssen eine Option bleiben.» Womöglich gebe es schon bald Reaktoren, die noch sicherer seien.

Der grünliberale Nationalrat Martin Bäumle vermutet, dass «wir am Anfang eines ganz miesen Spiels stehen». Die Atom-Gegner sind sich der Gefahr bewusst, die vom Ständerat und von seiner Energiekommission droht - und suchen nach einem Gegengift. «Der Ständerat muss jetzt den Sack zumachen und den Grundsatzentscheid, keine neuen AKW mehr zu bauen, noch in der Septembersession bestätigen», sagt BDP-Präsident Hans Grunder.