Das Phänomen von Asylbewerberinnen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen prostituieren, sei neu, wie die Stadtberner Migrationsbehörden gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagen. Laut Alexander Ott, Leiter der Berner Fremdenpolizei, geschehe dies öfters im direkten Umfeld einer Asylunterkunft. Die Frauen sollen ihre Freier manchmal sogar in die Unterkünfte mitnehmen.

Diese Fälle seien aber schwierig zu beweisen, erklärt Ott: «Denn wenn man bei den Frauen nachfragt, behaupten sie einfach, es handle sich um ihre Partner.» So konnte noch nie ein Strafverfahren eingeleitet werden. «Wir haben keine Hinweise auf Zwangsprostitution», sagt der Leiter der Berner Fremdenpolizei weiter. Er nimmt an, dass sich diese Frauen «ein Zubrot» verdienen wollen.

Fehlende Sensibilisierung

Ganz anderer Meinung ist da die Fachstelle für Frauenmigration (FIZ). Laut der FIZ sind in diese Fälle oftmals Menschenhändler verstrickt. So betrafen letztes Jahr drei Prozent der Fälle von Menschenhandel Frauen, die sich im Asylverfahren befinden. FIZ-Geschäftsleiterin Susanne Seytter: «Die Asylbehörden sind noch wenig sensibilisiert, Fälle von Frauenhandel bei den Befragten zu erkennen.»

Die Opfer von Menschenhandel würden mittels Drohungen gefügig gemacht, sagt Seytter. Die meisten Betroffenen könnten allerdings gar nicht geschützt werden, da sie abtauchen oder ausgeschafft werden würden. 

Die neusten Vorfälle haben jedoch bereits erste Reaktionen ausgelöst: Mitarbeiter des Staatssekretariats für Migration sollen künftig geschult werden, damit solche Fälle schneller entdeckt und geklärt werden können. (nka)