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Aserbaidschan-Minister: 20-Millionen-Privatjets für die Söhne werden in Basel ausstaffiert

Kamaladdin Heydarov gehört zur Machtelite eines der korruptesten Länder der Welt, schreiben US-Diplomaten. Seinen Söhnen kaufte er nebenbei Privatjets für 40 Millionen Dollar. Und die werden in Basel fertig gestellt.

Christian Bütikofer
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Wenig Schmeichelhaftes haben US-Diplomaten über Kamaladdin Heydarov zu berichten. Der Minister der staatlichen Zollbehörde ist auch Chef des «Ministeriums für Notfall-Situationen», das nichts anderes als eine paramilitärische Organisation sei.

Durch seinen Platz in diesen Gremien sei Kamaladdin Heydarov zu sagenhaftem Reichtum gekommen - vor allem durch Korruption.

Ein Ministerium als Milchkuh

Das Justizsystem in Aserbaidschan sei so korrupt, dass man Gerichtsfälle nur dann gewinne, wenn man entweder den Richter persönlich kenne oder sich durch «Benjamin Franklin» vorstelle (Benjamin Franklin steht für US-Dollars).

Das «Ministerium für Notfälle» oder «Ministerium für Notfall-Situationen» sei die Cash-Cow von Heydarovs Umfeld.

Wie sehr er sich an seinen Bürgern bereicherte, habe ein Geschenk an seine zwei Söhne offenbart, schreiben die Diplomaten: Beiden kaufte er Privatjets der Marke Gulfstream für je schlappe 20 Millionen Dollar.

Keine Branche ohne Heydarov

Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen durch den «Patriot Act» musste die Familie für den Gulfstream-Kauf ihre Vermögensverhältnisse offenbaren. Dabei listen die Diplomaten folgende Investments auf: Konserven-Fabriken, Baustoffindustrie, Strassenbau, Chemie, CD- und DVD-Produktion, Milchproduktion, Tourismus, Lederverarbeitung, Landwirtschaft, Spirituosen, Musikinstrumente, Fruchtsaft-Fabriken, Banking, Versicherungen...

Zur «CD-DVD-Produktion» meinen die Diplomaten: Da legale lizenzierte DVDs im lokalen Markt nicht erhältlich seien, müsse es sich wohl um Raubkopien handeln.

Kunden von Jet Aviation?

Zurück zu den Söhnen: Deren Privatjets werden offenbar in Basel mit den letzten «Feinheiten» ausgestattet, schreiben die Diplomaten in ihrem Bericht diesen Februar. Bei der Firma dürfte es sich um Jet Aviation handeln, die in Basel einen Sitz hat und ein von Gulfstream «anerkannter Reparaturbetrieb» ist.

Jet Aviation wurde von der Schweizer Hirschmann-Familie gegründet und gehört heute zum US-amerikanischen Rüstungskonzern General Dynamics.

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