Heilmittelgesetz
Ärzte und Apotheker streiten um Medikamente – und Geld

Der Streit zwischen Ärzten und Apothekern bricht wieder neu auf. Apotheker sollen künftig wie Ärzte rezeptpflichtige Medikamente abgeben dürfen. Diese Woche will der Nationalrat das Heilmittelgesetz anpassen.

Anna Wanner
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Das Gesetz schreibt vor, wer welche Medikamente verkaufen darf. Bisher galt die Regel, dass ein rezeptpflichtiges Medikament, wie beispielsweise ein Antibiotikum, vom Arzt verschrieben werden muss. Nur im Notfall war es Apothekern erlaubt, ein solches Medikament ohne Rezept herauszugeben. Dies soll sich nun ändern. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) will diese Regel lockern.

Dagegen wehren sich die Ärzte. Letzte Woche führte ihr Verband eine Pressekonferenz durch, um darüber zu informieren, dass die Gesetzesänderung die Gesundheit der Patienten gefährden würde: Bei Apothekern fehle die ärztliche Diagnose. Das lassen diese nicht auf sich sitzen. Während des Pharmazie-Studiums lernten sie Medikamente und Wirkstoffe besser kennen als manche Ärzte, kontern sie.

Es geht ums Geld

Trotz aller Sorge um das Wohl des Patienten: Im Grunde geht es ums Geld. Egal ob Arzt oder Apotheker: Wer Medikamente verkauft, verdient damit Geld. Das zeigt die hitzige Debatte um die Selbstdispensation der Ärzte, die in 17 Kantonen eine Apotheke führen und den Patienten die Medikamente selbst verkaufen dürfen. In der Westschweiz, in Basel und im Aargau bezieht der Patient die Medikamente hingegen in der Apotheke, der Arzt verdient nichts.

Dass sich der Verkauf zugunsten der Apotheker verschiebt, sehen die Ärzte gar nicht gern. Die Selbstdispensation gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen einer Arztpraxis. Das hänge mit dem kantonal unterschiedlich hohen Ärztetarif zusammen, sagt Marc Müller, Präsident der Hausärzte. «Dort, wo Selbstdispensation erlaubt ist, wurde der Taxpunktwert tiefer angesetzt.»

Das heisst: Wer keine Medikamente verkaufen darf, verdient mehr über andere medizinische Leistungen. Allerdings versiegt laut Müller die Einnahmequelle zunehmend: «Da die Marge ständig zurückgeht, kann ein Arzt mit Medikamenten immer weniger verdienen.»

Mit dem Medikamentenverkauf setzen Hausärzte also womöglich aufs falsche Pferd. Die Hausarzt-Vorlage, über die das Volk am 18. Mai abstimmt, sieht nicht nur eine Besserstellung der Hausärzte, sondern aller Grundversorger vor – Apotheker inklusive. Dass sich Aufgaben wie Impfen oder einfache Beratungen in den Kompetenzbereich der Apotheker verschieben werden, ist im Hinblick auf den Hausärzte-Mangel wahrscheinlich.