Fürsorgerische Unterbringung
Ärzte sperren 14000 psychisch Kranke weg: Einweisungen um 30 Prozent gestiegen

Über zehn Jahre lang sank die Zahl der fürsorgerischen Unterbringungen kontinuierlich. Experten waren sich darin einig, dass eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik unter Zwang äusserst zurückhaltend angewandt werden sollte. Doch jetzt zeichnet sich eine Trendwende ab.

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Innerhalb nur eines Jahres sprang die Zahl der Einweisungen um 30 Prozent an: Patienten in einer psychiatrischen Klinik. (Symbolbild)

Innerhalb nur eines Jahres sprang die Zahl der Einweisungen um 30 Prozent an: Patienten in einer psychiatrischen Klinik. (Symbolbild)

Keystone

2014 ordneten Ärzte und zu einem kleineren Teil auch Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden rund 11000 fürsorgerische Unterbringungen an. 2015 waren es bereits über 14000. Das ist ein Sprung um 30 Prozent innerhalb eines Jahres.

Das schweizerische Gesundheitsobservatorium hat die nicht öffentlich zugänglichen Zahlen für die «SonntagsZeitung» ausgewertet. Fachpersonen reagieren schockiert: «Der Anstieg ist alarmierend», sagt Anita Biedermann, stellvertretende Geschäftsleiterin der Stiftung Pro Mente Sana, die sich für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung einsetzt.

Eine fürsorgerische Unterbringung sei ein schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte. «Das Ziel sollte sein, deren Zahl so klein wie möglich zu halten.» Pro Mente Sana fordert, dass nur noch Psychiater eine Zwangseinweisung anordnen dürfen. Laut Biedermann haben Kantone tiefere Einweisungsquoten, welche «die Kompetenz zur Anordnung einer fürsorgerischen Unterbringung auf bestimmte spezialisierte Ärzte beschränken».

Tatsächlich zeigt eine unveröffentlichte Studie der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, dass die Massnahme in 60 Prozent der Fälle nicht von einem Psychiater angeordnet wird, sondern von einem Notfall-, Spital- oder Hausarzt.

Wenig Wirkung hatte die fürsorgerische Unterbringung bei Franz W. Er blieb nach seiner Entlassung aggressiv, bis er am Montag in Schaffhausen fünf Menschen mit einer Motorsäge verletzte. Um Täter wie ihn frühzeitig zu erkennen, führen immer mehr Kantone Register über potenziell gefährliche Bürger. In Solothurn, Baselland oder Neuenburg stehen aktuell hunderte Personen auf dem Radar.

Bilder vom Polizei-Grosseinsatz in Schaffhausen:

Staatsanwalt Peter Sticher und Einsatzleiter Maj Ravi Landolt gaben am Mittwoch weitere Informationen zur Festnahme von Franz W. bekannt.
23 Bilder
Riesiges Medieninteresse in Schaffhausen: Sticher und Landolt am Tag nach der Festnahme.
Die Medienkonferenz am Tag nach der Festnahme von Franz W.
Schon vor der Festnahme hatten Einsatzkräfte das Auto des Mannes abgeschleppt.
Das erste Fahndungsbild, das die Schaffhauser Polizei herausgegeben hatte.
Die Schaffhauser Polizei veröffentlichte danach weitere Fahndungsbilder des Angreifers.
Die Schaffhauser Polizei veröffentlichte danach weitere Fahndungsbilder des Angreifers.
Die Polizei suchte mit über 100 Einsatzkräften nach dem Täter.
Am Nachmittag nach der Tat hatten erste Geschäfte in der Schaffhauser Vorstadt wieder geöffnet.
Peter Sticher (links) und Einsatzleiter Ravi Landolt haben am Tag des Angriffs vor den Medien Stellung bezogen. Gemäss ihnen ist der Täter mehrfach vorbestraft.
Einsatzleiter Landolt ist auch Leiter der Sicherheitspolizei in Schaffhausen.
Sticher ist Erster Staatsanwalt.
Polizei-Grosseinsatz in Schaffhausen: Ein Mann hat mit einer Motorsäge ein Bürogebäude gestürmt und fünf Personen verletzt.
Die Polizei hatte die Schaffhauser Altstadt mit Sichtschutzanlagen abgeriegelt.
Die Altstadt war gesperrt.
Eine erste Beschreibung des Täters lautete: Es ist ein etwa 1.90 Meter grosser Mann mit Glatze und einer ungepflegte Erscheinung.
Die Polizei macht die Schaffhauserinnen und Schaffhauser darauf aufmerksam, dass der Mann gefährlich sei.

Staatsanwalt Peter Sticher und Einsatzleiter Maj Ravi Landolt gaben am Mittwoch weitere Informationen zur Festnahme von Franz W. bekannt.

Keystone

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