Die meisten kantonalen Unterkünfte sind voll belegt. In Luzern beträgt die Auslastung sogar 135 Prozent – und auch Solothurn ist mit 114 Prozent am Anschlag. «Wir müssen den Platzbedarf mit unterirdischen und provisorischen Lösungen abdecken», sagt David Kummer vom Amt für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn. Mit Klappbetten in Kellern, Küchen und Freizeiträumen der Asylzentren versuchen die Asylkoordinatoren, die Flüchtlinge unterzubringen. Verteilt werden sie nach der Einwohnerzahl.

Doch es fehlen Hunderte Asylplätz in den Kantonen. Am meisten Betten suchen die Kantone Aargau (300), Solothurn (120) und St. Gallen (100).

Die meisten Asylbewerber, die derzeit die Schweiz erreichen, stammen aus Syrien und Eritrea. Viele von ihnen werden tatsächlich als Kriegsflüchtlinge anerkannt oder vorläufig aufgenommen.

Das stellt die Kantone vor zusätzliche Herausforderungen. So verunmöglicht beispielsweise der ausgetrocknete Wohnungsmarkt in vielen Gegenden den Behörden für diese Flüchtlingen eine eigene Wohnung zu finden. So bleiben sie länger in den kantonalen Asylheimen, als sie eigentlich müssten.

Deshalb appelliert etwa die Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard (Alternative/die Grünen) an die Bevölkerung: «Wer eine freie Wohnung oder ein Haus zur Verfügung stellen kann, soll sich melden.» «Wir müssen sofort mit der Integration dieser Menschen beginnen», sagt der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP). Der Präsident der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren fordert: «Es braucht nun Sprachkurse und einen Effort in den Schulen.»

Dabei zeigen sich erste Konflikte bereits in den kantonalen Asylzentren. Der Leiter des Nidwaldner Amts für Asyl und Flüchtlinge, Roger Dallago, stellt bei den Ankömmlingen aus Syrien eine «hohe Anspruchshaltung» fest. «Nicht zuletzt wegen ihrer traditionellen Rollenbilder fällt es vielen schwer, sich in das Leben in den Zentren zu integrieren und Arbeiten zu übernehmen.»