Abstimmung
Armeechef Blattmann mobilisiert 18000 Offiziere für den Gripen

Mit einem Brief an sämtliche 18'000 Offiziere der Schweizer Armee wirbt Armeechef André Blattmann für den Kampfjet Gripen. Der ehemalige Hauptmann der der Fliegerabwehr und heutige Nationalrat Roland Fischer bezeichnet die Aktion als «grenzwertig».

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Armeechef André Blattmann nimmt den Gripen unter die Lupe

Armeechef André Blattmann nimmt den Gripen unter die Lupe

Keystone

Eine Woche bevor das Schweizer Volk sich für oder gegen den Gripen entscheiden muss, ziehen Befürworter wie Gegner nochmals alle Register. So auch Armeechef André Blattmann.

Er wirbt in einem Brief an sämtliche Offiziere für den Gripen, wie das SRF am Donnerstagmorgen berichtete. Auf anderthalb Seiten erklärt Blattmann, weshalb der Gripen finanziell die richtige Lösung sei und es keine Alternative zum Kampfjet gebe.

Knapp 18'000 Offiziere sind in der Schweizer Armee. Der Brief an die Leutnants, Majoren und Obersten sei eine Premiere, so das SRF. Noch nie hat sich Blattmann vor einer Abstimmung zu Militärthemen auf diesem Weg direkt an die Offiziere gewandt.

«Ausdruck von Unsicherheit»

«Der Brief ist sicher grenzwertig, weil es ist unüblich ist, dass der Chef der Armee einen Brief an seine Offiziere schreibt und sie mehr oder weniger für eine Schlussoffensive im Abstimmungskampf mobilisiert», sagt der Luzerner Nationalrat Roland Fischer gegenüber dem Sender. Er war selbst Offizier und Hauptmann der Fliegerabwehr. Als Grünliberaler kämpft er heute gegen den Gripen und hält die Aktion des Armeechefs für zweifelhaft.

Hintergrund sei wohl das erwartete, knappe Abstimmungsresultat. «Da ist es wahrscheinlich Ausdruck von einer gewissen Unsicherheit der Armeeführung und wahrscheinlich ein bisschen Nervosität», sagt Fischer.

Für FDP-Chef Müller unproblematisch

Unproblematisch findet FDP-Präsident Philipp Müller das Verhalten des Armeechefs. «Ich finde das wirklich unproblematisch. Das sind Armeeangehörige, die von ihrem Chef sozusagen mit Argumenten bedient werden. Die Angeschriebenen bestimmen ja, wie sie am Schluss abstimmen werden.» Ein enges Rennen zeichne sich ab, da brauche es das Engagement von allen, sagt Müller gegenüber SRF.

Gemeinsam mit den Präsidenten der SVP, CVP und BDP tritt Müller am Donnerstag auf dem Bundesplatz auf. Gemeinsam wollen sie die Befürworter an die Urne bringen. (gal)