Verteidigungsminister Guy Parmelin wechselt Ende März 2017 den Chef der Armee aus. Das erklärt Guy Parmelan am Mittwoch an der Medienkonferenz in Bern (Der Live-Blog am Ende des Artikels). Der Hintergrund ist die Armeereform, die Parmelin mit einem neuen Chef umsetzen will, und die die Schweizer Armee auf die veränderte Sicherheitslage in Europa ausrichten will. Die Konzeption der Armeereform sei von Blattmann geprägt worden, so Parmelin.

Blattmann wird Mitte 2018 pensioniert, das sei ein unglücklicher Zeitpunkt, weil mit der Umsetzung der Reform Anfang 2018 gestartet werde. Die Nachfolgesuche werde einer Findungskommission überlassen, der Blattmann nicht angehören wird, so Parmelin. Bis zu seiner Pensionierung werde Blattmann der Armee als Berater dienen. Nach seinem Austritt werde Blattmann ein Jahressalär erhalten. Wieviel das sei, wollte Parmelin nicht beantworten.

«Das macht einfach keinen Sinn»: Armeechef Blattmann über die Gründe seines Rücktritts

«Das macht einfach keinen Sinn»: Armeechef Blattmann über die Gründe seines Rücktritts

Von einer Absetzung des Armeechefs, wie verschiedentlich kolportiert wurde, wollten weder Parmelin noch Blattmann etwas wissen. Der Entscheid sei «einvernehmlich» erfolgt. Weder das schwierige Duro-Sanierungsprojekt, noch der Stopp des Boden-Luft-Verteidigungsprojekts seien ein Grund dafür. Und auch nicht die Abstimmunsniederlage beim Kampfjet Gripen – für die Blattmann nicht die alleinige Verantwortung übernehmen will, wie er an der Medienkonferenz erklärte.

Armeechef Blattmann trat sein Amt 2009 als Nachfolger von Roland Nef an, der nach einer privaten Affäre zurücktreten musste. Parmelin sieht es als Leistung an, dass er nach dieser Affäre das Vertrauen in die Armeeführung wieder zurückgewinnen konnte.

Ein angekündigter Rücktritt

Wie «Nordwestschweiz»-Recherchen bereits im Januar 2016 zeigten, sucht der neue Verteidigungsminister und Nachfolger von Ueli Maurer, Guy Parmelin, ohnehin nach möglichen Kandidaten für die Nachfolge. Die Liste der Papabili umfasst fünf Namen.

Am häufigsten fällt der Name Philippe Rebord. Der 58-jährige Historiker kommt aus Bovernier VS und Lausanne VD und führt seit letztem Jahr die Höhere Kaderausbildung der Armee in Luzern. In dieser Funktion ist er auch für die Militärakademie an der ETH Zürich verantwortlich. Ein hochrangiger Offizier attestiert ihm eine «hohe Sozialkompetenz». So setzt sich Rebord etwa dafür ein, dass welsche und Tessiner Soldaten ihren Militärdienst möglichst immer in ihrer Muttersprache leisten können.

In einer Rede vor der waadtländischen Offiziersgesellschaft charaktersierte er sich als jemanden, der gerne Klartext spricht. Er sei überzeugt, dass es unter Offizieren keine Tabuthemen geben dürfe. Dieses Motto lebt Rebord auch in der Öffentlichkeit: Zum Beispiel, als er vor fünf Jahren den Sicherheitspolitischen Bericht des Bundesrates in einem Zeitungsinterview kritisierte und sagte, er hätte sich «einen visionäreren Bericht gewünscht». Oder als er 2006 einem Journalisten erklärte, wer an der Aushebung den Intelligenztest nicht bestehe, könne immer noch in den Zivilschutz.

Der zweite Favorit aus der Romandie heisst Dominique Andrey, 60 Jahre alt, ETH-Ingenieur. Der Freiburger begann seine militärische Laufbahn 1978 als Leutnant, war zwischenzeitlich Personalchef der Armee, seit 2008 ist er Chef Heer, eine Schlüsselfunktion im Militär. Sein grösstes Plus, die Erfahrung, ist gleichzeitig sein grösstes Defizit: Mit 60 Jahren kommt er als Armeechef höchstens als Übergangslösung infrage.

Als möglicher, aber wenig aussichtsreicher Anwärter gilt Luftwaffenchef Aldo C. Schellenberg. Zum einen wird der 57-jährige Zürcher mitverantwortlich gemacht für die Schlappe bei der Abstimmung über den Kampfjet Gripen im Mai 2014. Zum anderen kamen beide bisherigen Armeechefs Blattmann und Christophe Keckeis von der Luftwaffe. Nun ist der Druck gross, einen Vertreter des Heeres an die Spitze der Armee zu setzen. Ein Sicherheitspolitiker glaubt dennoch: «Schellenberg ist in den Startlöchern.»

Grössere Chancen werden Daniel Baumgartner ausgerechnet, Divisionär aus dem Kanton Thurgau. Der 54-Jährige übernimmt in der neuen Armee den Posten des Ausbildungschefs. Da sich die Reform aufgrund parlamentarischer Streitigkeiten um ein Jahr verzögert, ist er zurzeit «ohne Job».

Der dritte Deutschschweizer ist zugleich der jüngste Favorit: Hans-Peter Walser ist 51 Jahre alt und arbeitet noch bis Ende Jahr als Chef des Armeestabes. Ab 1. Januar übernimmt der Appenzeller Jurist die Führung der Territorialregion 2, einer der vier grossen Verbände in der Armee. (lzh/nch)

Medienkonferenz zur Zukunft des Armeechefs