Armee
Vergiftung während Nachtübung auf dem Simplon: Vier Soldaten lagen bewusstlos in Panzer – Militärjustiz ermittelt

Am frühen Morgen flog die Rega vier verletzte Armeeangehörige mit einer Kohlenmonoxidvergiftung in Spitäler. Die Betroffenen befinden sich ausser Lebensgefahr. Die Militärjustiz ermittelt.

Kari Kälin
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Ein Schützenpanzer M113: In einem solchen Gefährt erlitten die Armeeangehörigen die Vergiftungen.

Ein Schützenpanzer M113: In einem solchen Gefährt erlitten die Armeeangehörigen die Vergiftungen.

Bild: Schweizer Armee

Die Artillerie- und Aufklärungsrekrutenschule 31 endet in zweieinhalb Wochen. Kurz vor Schluss der Ausbildung hat sich in der Nacht auf Dienstag bei einer Übung auf dem Simplonpass ein schwerer Unfall ereignet. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, verloren vier Armeeangehörige aufgrund einer Kohlenmonoxidvergiftung das Bewusstsein. Sie wurden von Kameraden gefunden, wie Armeesprecher Daniel Reist gegenüber CH Media sagte. Drei der jungen Männer seien schwer betroffen gewesen, einer etwas weniger. Noch auf dem Simplon seien alle wieder ansprechbar gewesen.

Die Rega flog drei Betroffene in ein Universitätsspital, ein Mann befindet sich in einem Kantonsspital. Wie lange sie in Pflege bleiben müssen, ist noch unklar. Man habe schnell festgestellt, dass die Vergifteten sich ausser Lebensgefahr befänden, sagt Armeesprecher Reist. Und: «Die Ärzte sind zuversichtlich, dass sie nicht unter Langzeitschäden leiden werden.»

Drang das Gas durch eine offene Luke in den Panzer?

Der Tages-Anzeiger spekulierte, die Männer hätten im Panzer wohl den Motor laufen lassen, damit bei den kalten Temperaturen die Heizung weiter lief. Ein Teil der Schützenpanzer M113 verfügt jedoch über eine Standheizung. Das heisst: Geheizt werden kann auch ohne laufenden Motor. Welcher Typ im Einsatz stand, wird untersucht.

Denkbar wäre auch, dass die giftigen Gase über eine offene Luke ins Innere des Schützenpanzers drangen. Armeesprecher Reist kommentiert diese Theorien nicht. Er verweist auf die Militärjustiz, die den Hergang des Unfalls abklärt. Je nach Ergebnis der Ermittlungen droht den Betroffenen ein Disziplinarstraf- oder ein Militärstrafverfahren. Möglich ist auch, dass sich niemand etwas zu Schulden hat kommen lassen.

Vergiftung kann zum Tod führen

Sprecher Reist hat keine Kenntnisse von ähnlich gelagerten Vorkommnissen in der jüngsten Vergangenheit der Armee. Klar ist: Der Vorfall auf dem Simplon hätte schlimm enden können, wenn die Soldaten ihre bewusstlosen Kameraden nicht rechtzeitig entdeckt hätten.

Colette Degrandi ist Oberärztin bei Tox Info Suisse.

Colette Degrandi ist Oberärztin bei Tox Info Suisse.

Bild: Privatarchiv

Kohlenmonixidvergiftungen seien gefährlich, sagt Colette Degrandi, Oberärztin bei Tox Info Suisse. «Kohlenmonoxid ist ein geruchloses Gas. Man merkt nicht, dass man es einatmet.» Erste Symptome seien Kopfschmerzen, Schwindel und ein allgemeines Unwohlsein. «Wenn man nicht realisiert, dass man die Gase einatmet, schläft man ein.»

Im schlimmsten Fall könne eine Vergiftung zum Tod führen. Sie kenne die genauen Umstände des Vorfalls auf dem Simplon nicht. «Dass die Armeeangehörigen offenbar bewusstlos waren, deutet darauf hin, dass es sich um ein schwerwiegendes Ereignis handelt.»