informatik

Armee: Hunderte von Millionen Franken für Informatik-Berater

Berater füllt Steuererklärung aus

Berater füllt Steuererklärung aus

Das Informatik-Desaster im VBS ist viel gravierender als bisher angenommen. Zwischen 2000 und 2010 seien Hunderte von Millionen Franken in externe Berater investiert worden, sagt ein ranghoher Insider.

Niemand habe den Überblick und kenne die genauen Zahlen. Heute würden bei der Armee selbst hochsensible Systeme von Externen betreut. «Ohne Externe steht die Armee still», sagt der Insider. Das VBS schweigt zu den Vorwürfen.

Grandiose Berater-Honorare

In die Schlagzeilen geraten waren die externen Berater, als die Honorare für Jens Alder (Leiter des Lenkungsausschusses der Task Force Informatik VBS), William Angst (Leiter Task Force) und der Boston Consulting Group (BCG) bekannt wurden: Alder verdient 200000 Franken, Angst 500000 und die BCG 1,3 Millionen.

Vetterliwirtschaft?

Brisant ist, dass interne Experten betonen, mit Alder, Angst und der BCG gehe die Informatik-Reise in die falsche Richtung. Statt bottom-up sollen die Probleme nun top-down gelöst werden. Der entscheidende Fehler sei aber die Zweiteilung der Informatik in Armee und VBS. «Nur die Geschäftsprüfungskommission GPK kann das Spannungsfeld zwischen Verteidigung und VBS regeln», sagt ein ranghoher VBS-Insider.

Im VBS gilt Herbert Jost als der absolute Experte. Armeechef André Blattmann hatte den Inhaber der Firma MS + MZ (Managementsupport und Management auf Zeit) und Spezialisten für die Erarbeitung und Implementierung von Führungsunterstützungssystemen auf Anraten der Iso-9000-Zertifizierungs-Vereinigung engagiert.

Wieviele hefs

Gemäss Insidern forderte Jost vor allem eines: Für die Informatik des VBS dürfe es nur einen Chef, das heisst einen Verantwortlichen geben. Der müsse zwingend bei der Armee sein, weil die Armee 90 Prozent der erbrachten Informatikleistungen beansprucht. Jost wollte, dass die Führungsunterstützungsbasis (FUB) das neue Informatik-Herz des VBS wird. Konfrontiert mit den Recherchen sagt Jost: «Gestützt auf meine Analysen wurde vor Abschluss meines Mandates der Projektantrag zur Erarbeitung der Konzeption zur Neuausrichtung des Bereiches Information, Kommunikation und Technologie erarbeitet, der nun zur Freigabe beim Chef der Armee liegt.» Blattmann hatte Josts Mandat beendet, nachdem Medien von Vetternwirtschaft geschrieben hatten, weil Jost früher Blattmanns Kommandant war.

Längst hellhörig geworden ist die Geschäftsprüfungskommission GPK. «Ich habe in der GPK eine Anfrage eingereicht», bestätigt CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann. Sie will wissen: «Wo überall gibt es Berater? Wie wurden sie geholt? Wie viel haben sie gekostet? Und was haben sie gebracht?» FDP-Sicherheitspolitikerin Corina Eichenberger stützt Glanzmanns Vorgehen. Und GPK-Präsidentin Maria will schon am Montag «mit den Parlamentsdiensten sehen, «was möglich ist».

Meistgesehen

Artboard 1