Armee

Armee bleibt im Volk positiv verankert

Milizarmee: In einer ETH-Studie geben 74 Prozent der Schweizer an, die Armee sei «unbedingt» oder «eher notwendig». key

Schweizer Soldat

Milizarmee: In einer ETH-Studie geben 74 Prozent der Schweizer an, die Armee sei «unbedingt» oder «eher notwendig». key

ETH-Professor Andreas Wenger sieht keinen deutlichen Trend in Richtung Berufsarmee. «Die Debatte um die Wehrpflicht wird sich intensivieren», glaubt er.

Christian Nünlist

Die Sicherheitspolitik der Schweiz steht derzeit stärker denn je im Brennpunkt des politischen und öffentlichen Interesses. Eben erst wurde nach monatelangem politischem Ringen um fast jeden Buchstaben der Entwurf des Sicherheitspolitischen Berichts 2010 vorgestellt. Auch der Armeebericht wird im Juni für rote Köpfe sorgen.

Vor diesem Hintergrund interessiert die diesjährige «Sicherheit»-Erhebung der Militärakademie an der ETH Zürich und der ETH-Forschungsstelle für Sicherheitspolitik besonders. Die repräsentative Befragung bietet überraschende Einsichten: Die Armee ist in der Schweiz weiterhin positiv verankert. 74% halten die Armee für «unbedingt» oder «eher notwendig».

Zankapfel Wehrform

Im Unterschied dazu ist die Wehrform hingegen umstritten: Nur noch 50% sind für die Milizarmee. 1983 waren es noch stolze 84%. 44% sprechen sich stattdessen heute für eine Berufsarmee aus (1983: 8%). ETH-Professor Andreas Wenger sieht jedoch trotz der klaren Verschiebung seit den Zeiten des Kalten Krieges keinen eindeutigen Trend in Richtung Berufsarmee: «Seit 2002 schwanken die Zustimmungsraten hin und her.

Einmal liegen die Befürworter einer Milizarmee knapp voraus, einmal die Befürworter einer Berufsarmee», sagt er gegenüber dieser Zeitung. Interessant sei aber der differenziertere Blick auf die Zahlen. Westschweizer (54%), Jüngere (57%) und Linke (52%) sprechen sich signifikant häufiger für die Aufhebung der Wehrpflicht aus als Deutschschweizer (41%), Ältere (31%) und Rechte (39%). «Die Debatte um die Wehrpflicht dürfte sich in Zukunft intensivieren», leitet Wenger aus dieser Polarisierung ab.

Interessanterweise hat der gesellschaftliche Prestigewert einer Militärkarriere entgegen der allgemeinen Vermutung wieder zugenommen. 70% finden, eine militärische Führungserfahrung bringe im Zivilen berufliche Vorteile (2001: 60%). 63% finden eine militärische Beförderung ehrenvoll (2001: 52%).

Die Auslandeinsätze der Armee werden jedoch weiterhin kontrovers beurteilt. Immerhin 52% sind aber dafür, dass Schweizer Soldaten ihren Auftrag auch im Ausland mit Waffengewalt durchsetzen sollten.

Mythos Autonomie und Neutralität

An den Sinn von Autonomie (72%) und Neutralität (93%) glauben die Schweizer nach wie vor fast blindlings. Allerdings haben der Steuerstreit, die Debatte um das Bankgeheimnis und die Auseinandersetzung mit Libyen diesen «Mythen» einen Dämpfer erteilt: 59% (2009: 52%) finden, die nationale Sicherheit der Schweiz werde immer mehr von anderen Staaten und immer weniger von uns selbst bestimmt.

In der EU-Frage wollen 72% eine wirtschaftliche Annäherung und immerhin 50% eine stärkere politische Annäherung. Gelitten hat aber das Prestige von Bundesrat und Parlament: Sie geniessen dieses Jahr als einzige Institutionen weniger Vertrauen als im Vorjahr.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1