Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit stieg im April weiter an

Von 3,3 auf 3,4 Prozent stieg die Arbeitslosenrate letzten Monat im Kanton Zürich. In der Stadt Zürich waren 3,6 Prozent der Erwerbspersonen ohne Arbeit gemeldet, im Bezirk Dietikon sogar deren 4 Prozent.

Martin Reichlin

24 514 Menschen arbeitslos, 31 263 Personen auf Arbeitssuche - dies sind die Arbeitsmarkte-Zahlen von April, die das Zürcher kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) gestern publizierte. «Die Rezession hat mit Verzögerung auch den Arbeitsmarkt erfasst», sagte AWA-Chef Bruno Sauter, gestern in Zürich zu den Medien. «Als Folge davon stieg die Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten in paktische allen Branchen und Berufsgruppen. Auch die Zahl der Arbeitslosen in der Finanzbranche nahm zu. Im Verhältnis zur Zahl der Erwerbstätigen, die in diesem Bereich arbeiten, ist die Arbeitslosigkeit dort zurzeit aber unterdurchschnittlich.»

Höchste Arbeitslosigkeit in Dietikon

Unterschiedlich stark sind die Bezirke des Kantons von der Arbeitslosigkeit betroffen. Während die Quote der Erwerblosen in Andelfingen grade mal 1,9 Prozent erreicht und im Bezirk Affoltern mit 2,3 ebenfalls unter dem Durchschnitt liegt, steigt sie in den Städten Zürich und Winterthur auf 3,6 beziehungsweise 3,5 Prozent.

In absoluten Zahlen sei die Zunahme der Arbeitslosigkeit im April jedoch leicht schwächer gewesen als in den Vormonaten.

Von Arbeitslosigkeit betroffen seien fast alle Altersgruppen und Qualifikationsstufen. Leicht rückläufig sei die Zahl der Arbeitslosen einzig in den Kategorien der 15- bis 19-Jährigen und jener der 20- bis 24-Jährigen gewesen.

Im April waren im Kanton Zürich 24'514 Personen ohne Arbeit, 387 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,3 auf 3,4 Prozent und lag damit unter dem schweizerischen Durchschnitt von 3,5 Prozent.

In der Stadt Zürich betrug die Arbeitslosenquote 3,6 Prozent, in der Stadt Winterthur 4,1 Prozent. Gesamthaft waren Ende April bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) 31'514 Personen zur Stellensuche gemeldet. Das sind 657 Personen mehr als im Vormonat. Die Quote betrug 4,3 Prozent.

Mehr Arbeitslose in der Finanzbranche

Zugenommen hat die Arbeitslosigkeit bei Finanzdienstleitern, im Gastgewerbe, in der Elektronik- und Feinmachanik-Branche sowie im Verlagswesen.Das Baugewerbe und die Landwirtschaft verzeichnten dagegen im Vergleich zum Vormonat weniger Arbeitslose. Sauter führt dies vor allem auf saisonale Gründe zurück.

Im Finanzdienstleistungsbereich waren Ende April 1246 Personen als arbeitslos gemeldet. Gemessen an den 84'000 Arbeitsplätzen im Kanton Zürich sei die Arbeitslosigkeit in diesem Sektor unterdurchschnittlich, betonte Sauter.

Tendenziell werde der Finanzplatz Zürich in den nächsten Monaten weiter schrumpfen. Wie sich die angekündigten Entlassungen im Banksektor auf die RAV-Tätigkeit auswirken werde, sei schwer abschätzbar. Viele Banker meldeten sich gar nicht erst zur Vermittlung an.

Mehr Deutsche arbeitslos

Stärker von Arbeitslosigkeit betroffen seien auch Arbeitnehmende aus Deutschland. Gründe dafür seien unter anderem der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Immobiliensektor, in der IT-Branche oder im Gastgewerbe, wo besonders viele Deutsche beschäftigt seien. Viele von ihnen seien jedoch gut qualifiziert, sehr flexibel und daher auch gut vermittelbar.

Deutlich zugenommen haben seit Anfang Jahr die Anmeldungen für Kurzarbeit. Im Vergleich zu andern Regionen werde dieses «klassische Instrument der Industrie» im Kanton Zürich aber deutlich weniger eingesetzt, hielt Sauter fest. Derzeit seien rund 2000 Arbeitnehmende von Kurzarbeit betroffen.

Laut einer Untersuchung des AWA ist Kurzarbeit auch kein probates Mittel, um die Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen. Aufgefangen würden damit vor allem konjukturelle Schwankungen. Eine Stabilisierung der Beschäftigung werde mit Kurzarbeit nicht erreicht, sagte Aniela Wirz, volkswirtschaftliche Mitarbeiterin des AWA.

Mehr Personal für RAV

Mit der Zunahme der Arbeitslosigkeit hat das AWA in den letzten Monaten den Personalbestand der RAV schrittweise um insgesamt rund 70 auf 490 Personen erhöht. Zudem seien die Prozesse der Vermittlungsarbeit weiter optimiert und die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und privaten Stellenvermittlern verstärkt worden, sagte AWA-Chef Sauter.

Eine vertragliche Zusammenarbeit mit privaten Vermittlern, wie dies der Luzerner FDP-Nationalrat Otto Ineichen verlangt, lehnt Sauter ab. Das führe nur zu mehr Bürokratie. Zudem könnten aus Gründen der Gleichbehandlung aller Stellensuchenden «hoheitliche Aufgaben» nicht an verschiedene Private übertragen werden.

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