Sie hätten nur noch wenige Jahre zu arbeiten, doch dann verlieren sie ihren Job: Die 55- bis 59-Jährigen spüren die schwächelnde Wirtschaft besonders stark. Im Vergleich zum Dezember 2014 hat die Arbeitslosenquote bei dieser Altersgruppe um 10,4 Prozent zugenommen, auf neu 3,3 Prozent.

Damit liegt sie nur noch leicht unter der gesamten Arbeitslosenquote: Diese ist im Dezember von 3,4 auf 3,7 Prozent gestiegen. In der Schweiz beziehen nun 159 000 Personen Arbeitslosengelder.

Bereits in den beiden Vorjahren haben die Arbeitslosenzahlen der Über-50-Jährigen am stärksten zugenommen. Die Wirtschaft, das Volk und die Politik wissen um das Problem. Seit einiger Zeit versuchen die Kantone, diese Altersgruppe mit verschiedenen Kampagnen zu unterstützen. Offenbar erfolglos: Das zeigt der neuerliche Anstieg deutlich.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) betont, dass es eine Zeit lang brauche, bis die Fachkräfteinitiative und die verschiedenen Sensibilisierungskampagnen eine Wirkung zeitigen würden. «Die Kampagnen laufen noch nicht lange», sagt Fabian Maienfisch, Sprecher des Seco.

Das Staatssekretariat sieht auch einen politischen Hoffnungsschimmer: «Mit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative könnte der Bedarf an inländischen Arbeitskräften zunehmen.

Davon könnten auch die Über-50-Jährigen profitieren. Die Wiedereingliederung dieser Menschen in den Arbeitsmarkt ist aber eine grosse Herausforderung, da Umschulungen viel Zeit brauchen und kostenintensiv sind. Die Gesellschaft muss zuerst dafür bereit sein, dafür genügend Mittel zu sprechen», sagt Seco-Sprecher Fabian Maienfisch.

SVP gibt Ausländern die Schuld

Doch die positive Wirkung der Masseneinwanderungsinitiative auf die Arbeitslosenzahlen ist nur ein mögliches Szenario. In anderen Zusammenhängen weist das Seco jeweils darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit wegen der Masseneinwanderungsinitiative zunehmen wird, da diverse Firmen ihre Arbeitsstellen auslagern werden.

Die SVP befürchtet das nicht: Sie ist überzeugt, dass es die Zuwanderung sei, welche die Arbeitslosenzahlen im Dezember weiter in die Höhe schnellen liess. Bei dieser Argumentation spielt es der SVP in die Hände, dass einzelne Ausländergruppen sehr hohe Arbeitslosenquoten aufweisen: Bei den etwas mehr als 17 000 in der Schweiz lebenden Rumänen und Bulgaren sind es zum Beispiel 15 Prozent. Am anderen Ende dieser Statistik liegen Österreicher und Deutsche: Ihre Arbeitslosenquote beträgt 4,3 respektive 4,5 Prozent. Nur bei den Schweizern selbst ist die Arbeitslosenquote mit 2,5 Prozent noch tiefer.

Seco erwartet weiteren Anstieg

Das Seco geht davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen auch in den kommenden Monaten vorerst ansteigen werden. Denn der Anstieg ist zu einem grossen Teil saisonal bedingt: «Zurzeit nehmen wir an, dass die Arbeitslosenquote bis im Frühling an der 4-Prozent-Grenze kratzen wird, bevor die Arbeitslosenzahl dann wieder abnimmt», sagt Seco-Sprecher Fabian Maienfisch.

In Basel-Stadt ist es bereits jetzt so weit: Mit 4 Prozent hat der Kanton die höchste Arbeitslosenquote der Nordwestschweiz, gefolgt von Zürich mit
3,9 Prozent. In der Deutschschweiz verzeichnet einzig das Wallis mit 5,8 Prozent eine höhere Arbeitslosenquote.

Neben den saisonalen Gründen ist es laut Seco vor allem die Frankenschwäche, die der Exportindustrie zusetzt und zu mehr Arbeitslosen führt.

Unter dem damit verbundenen Stellenabbau leiden sowohl Jung als auch Alt. «Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist in Industrieberufen generell höher. Nur finden die Jungen schneller wieder eine Stelle», meint Soziologe und Altersforscher François Höpflinger. Die 25- bis 34-Jährigen weisen schon länger die höchste Arbeitslosenquote auf: Sie liegt bei 4,7 Prozent. Doch die Über-50-Jährigen holen auf wie noch nie.

Auch Höpflinger attestiert den Sensibilisierungskampagnen, die den Ü50 helfen sollen, wenig Wirkung: «Es wird viel geredet, aber wenig gemacht.»

Ein Problem sieht Höpflinger insbesondere darin, dass die Hilfe erst einsetzt, wenn den Betroffenen kaum mehr zu helfen ist. «Weiterbildungen und Umschulungen werden erst bezahlt, wenn man arbeitslos wird. Aber dann ist es schon zu spät. In der Schweiz fehlt eine Bildungspolitik für die Generation 50 Plus.» Höpflinger schlägt zum Beispiel vor, dass der Staat auch die älteren Arbeitnehmer mit Stipendien oder zinslosen Darlehen unterstützt, wenn sich diese weiterbilden oder umschulen wollen.