Gesundheit
Arbeitgeber soll Arztzeugnis zahlen

Um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken, möchte der Schwyzer SVP-Ständerat Alex Kuprecht Arbeitgeber verpflichten, die von ihnen verlangten Arztzeugnisse zu bezahlen. Mit seinem Sparvorschlag stösst er auf Widerstand.

Sermîn Faki
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Heute muss auch, wer nur eine Grippe hat, den Arzt konsultieren: Wegen des Arztzeugnisses. gaetan bally/key

Heute muss auch, wer nur eine Grippe hat, den Arzt konsultieren: Wegen des Arztzeugnisses. gaetan bally/key

Dies hat er kürzlich im Kundenmagazin der Krankenkasse CSS vorgeschlagen. «Diese Zeugnisse verursachen unnötige Kosten», erklärt er auf Anfrage. Etwa die damit verbundenen Arztbesuche: «Oft gehen Angestellte nur deshalb zum Arzt, weil sie ein Zeugnis brauchen», so Kuprecht. Dabei könne man sich das beispielsweise bei einer Grippeerkrankung schenken, weil ohnehin jeder wisse, was zu tun sei: ins Bett gehen und Tee trinken. Nötige Medikamente gebe es in solchen Fällen rezeptfrei in Apotheke und Drogerie – was erst noch kostengünstiger sei.

Arbeit würde teurer

Bei Kuprechts Parteikollege Bruno Zuppiger kommen solche Vorschläge gar nicht gut an. «Da ist er etwas übers Ziel hinausgeschossen», findet der Zürcher Nationalrat. Kein Wunder, hat er Mühe mit Kuprechts Vorschlag: Zuppiger ist Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV) und vertritt als solcher die Interessen der Arbeitgeber. Mit Kuprechts Ansinnen würden Kosten nicht verringert, sondern verschoben – und Arbeit in der Schweiz noch mehr verteuert, heisst es beim SGV.

So sieht es auch Ruth Derrer Balladore vom Schweizerischen Arbeitgeberverband: «Es ist gesetzlich festgelegt, dass der Arbeitnehmer beweisen muss, dass er krank ist. Es ist also seine Pflicht, ein Arztzeugnis zu bringen. Es ist nicht einzusehen, warum der Arbeitgeber dafür aufkommen soll.»

Kuprecht will mit seinem Vorschlag die Arbeitgeber dazu bringen, nicht schon am dritten Fehltag ein Zeugnis zu verlangen, sondern mehr Kulanz zu zeigen. Doch aus Sicht
der Arbeitgeber gibt es einen guten Grund für den Arztzeugnis-Zwang: Arbeitnehmer werden damit vom «Blaumachen» abgehalten, sind die Unternehmen überzeugt. «Es kann nicht angehen, dass wir nun auch noch dafür zahlen sollen», sagt Derrer Balladore.

Angestellten vertrauen

Kuprecht wiederum kann diesen Einwand nicht nachvollziehen. Die meisten Angestellten seien vertrauenswürdig, Missbräuchen könne man anders begegnen: «Jeder Arbeitgeber kennt seine Pappenheimer», sagt er. Wenn jemand immer wieder krank sei, könnte man entweder bei ihm daheim vorbeischauen oder aber ein Arztzeugnis verlangen und ihm die Kosten dafür vom Lohn abziehen, sollte sich der Missbrauch bestätigen. Um das Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen, müsse nun aber endlich gespart werden. Dazu könnten auch kleine Beträge für ein Arztzeugnis beitragen, so Kuprecht.

Auch Jacques de Haller, Präsident der Ärztevereinigung FMH, steht dem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber: «Warum nicht?», fragt er. Freie Arztwahl und Datenschutz müssten aber gewährleistet sein. «Ein Verzicht auf den Arztbesuch ist sogar sinnvoll, wenn bei einer Grippewelle nicht alle Erwerbstätigen die Warteräume belegen und andere Patienten anstecken.»