Suha Arafat habe sich dazu entschieden, die Klage spätestens bis Ende Juli einzureichen, erklärte ihr Anwalt gegenüber der Westchweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche». Geschehen werde dies in Paris, da Jassir Arafat dort gestorben ist und da der Ort des Gerichtsstandes derzeit noch nicht bekannt sei. Ziel der Klage sei es, die genauen Todesumstände zu ermitteln und damit herauszufinden, ob Arafat tatsächlich vergiftet wurde oder nicht.

Das Institut für Radiophysik des Universitätsspitals Lausanne hatte Kleidungsstücke des Ex-Staatschefs untersucht, die er vor seinem Tod getragen haben soll, und daran erhöhte Werte von Polonium 210 festgestellt. Das radioaktive Isotop ist ein sehr tödliches Gift. Allerdings wiesen die Schweizer Wissenschafter darauf hin, dass ihre Ergebnisse keine Beweise für eine Vergiftung Arafats seien.

Die rechtliche Prozedur werde nun in zwei Schritten ablaufen, so der Anwalt Bonnant. Der erste umfasse Ermittlungen im Pariser Militärspital, in dem Arafat am 11. November 2004 im Alter von 75 Jahren gestorben war. Beim zweiten gehe es um die Analyse des Dossiers aus dem Unispital Lausanne. Die französische Justiz werde Befragungen mit den Schweizer Experten durchführen und sie wohl um weitere Untersuchungen bitten.

Exhumierung von Arafats Leichnam als Knackpunkt

Am vergangenen Montag hatte die palästinensische Behörde grünes Licht gegeben für eine Exhumierung von Arafats Leichnam, der in Ramallah im Westjordanland begraben liegt. Gleichzeitig hatte die Palästinenserbehörde die Schweizer Experten in Lausanne darum ersucht, Arafats körperliche Überreste genaueren Proben zu unterziehen.

Die Exhumierung von Arafats Leichnam sei notwendig, um die Analyse der Lausanner Experten abzuschliessen, sagte dazu Anwalt Bonnant. Er bezweifelt jedoch, dass die palästinensische Behörde eine Exhumierung wirklich zulassen werde. Sie sage zwar, sie wolle eine "internationale Untersuchung", doch meist sage man so etwas genau dann, wenn man im Grunde gar keine Untersuchung wolle, erklärte Bonnant.

Justiz muss freie Hand haben

Falls die Behörde einer Exhumierung zustimmen werde, sei es ausserdem nochmals eine andere Frage, welche Bedingungen sie für die Untersuchung der Leichenbestandteile stellen werde. Gemäss Bonnant wird die Wahrheit in dieser Angelegenheit nur ans Licht kommen, wenn die Justiz in ihrer Arbeit von der Politik nicht behindert wird.

Arafat war im November 2004 in das Militärspital in Paris geflogen worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert hatte. Die rund 50 behandelnden Ärzte hatten angegeben, die genaue Todesursache nicht feststellen zu können. Die Palästinenser beschuldigten in der Folge Israel, Arafat vergiftet zu haben.