Apfelrechner-Prozess: D. wurde wegen Betrugs schuldig gesprochen

Seine Computer gegen Vorauszahlung waren so billig, dass D. das Geld ausging, um neue Ware zu beschaffen. Der Kollaps seines Schneeballsystems führte am Mittwochabend zum Schuldspruch wegen Betrugs.

Drucken
Teilen

Thomas Röthlin

«Ja, ich hatte den Wunsch gross herauszukommen.» Das sagte am späten Mittwochnachmittag der 32-jährige D. im Grossratssaal, wo das Bezirksgericht Aarau wegen des grossen Zuschauerandrangs tagte. Im Publikum sassen zwei Dutzend Geschädigte von D. - von insgesamt 642, wie die Staatsanwalt vorrechnete. Furore machen wollte D. mit Apple-Computern zu unschlagbaren Konditionen: im Schnitt 25% unter dem Einkaufspreis. Kein Wunder, rannten ihm die Kunden die Online-Bude ein. D. kassierte Vorauszahlungen en masse und bezog bei seinen Lieferanten Waren im Wert von über 3 Millionen.

Das schiere Geschäftsvolumen wuchs D. dermassen über den Kopf, dass seine Idee nie Realität wurde, mit einem Service-Abo irgendwann Gewinn zu machen. Nach anderthalb Jahren fehlte das Geld, um neue Geräte zu kaufen. Die Geschädigten dieses Schneeballsystems mussten sich 1,265 Mio. Franken ans Bein streichen.

Mittel, die D. nicht nur brauchte, um für frühere Kunden einkaufen zu können, sondern auch für private Zwecke, wie ihm Gerichtspräsident Thomas Müller vorhielt. Fünf Autos, Erstklass-Generalabo, Luxus-Handy und ein Ladenlokal in Aarau, das er nie benutzte, aber gratis einer Kollegin zur Verfügung stellte - «ich bin einer Versuchung erlegen», räumte D. ein.

Überhaupt zeigte er sich geläutert. Zuerst einen möglichst grossen Kundenstamm aufzubauen und dann den «Riesenaufwand» eines Unterhaltsservice quasi in Alleinregie auf sich zu nehmen, habe sich als «ein irrwitziger Plan» herausgestellt, so D.

Der Strafprozess endete nach fünf Stunden mit einem Schuldspruch wegen Betrug. D. muss angesichts einschlägiger Vorstrafen ein Jahr ins Gefängnis und eine Psychotherapie machen. Der Verteidiger hatte den bedingten Strafvollzug gefordert. Seinem Mandanten sei es nicht um das Geld gegangen, sondern um die Anerkennung.

Mehr oder weniger Verachtung für D. übrig hatten die Zivilkläger im Saal, die ihre Forderungen noch bis vor der Urteilsberatung geltend machen konnten. Die Stimmung blieb jedoch friedlich. Dafür sorgten auch zwei Polizisten, die bei einer Eskalation eingeschritten wären.

Aktuelle Nachrichten