Es sind harsche Worte, mit welchen die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran gegen Martin Schulz schiesst, den deutschen Sozialdemokraten (SPD) und Präsidenten des Europäischen Parlamentes: «Schulz ist ein Antidemokrat – basta», schrieb sie am Sonntag in einem öffentlich einsehbaren Post auf Facebook.

Schulz betreibe eine «neo-liberale Bücklingspolitik», ihm und der ganzen SPD unterstellt sie «nationalstaatliche Egozentrik».

Auf Anfrage ergänzt Badran, an Schulz störe sie «nahezu alles». Dennoch aber sei sie dagegen, Schulz vom SP-Parteikongress auszuladen, der am 12. September im aargauischen Turgi stattfindet. Wichtig sei, dass Schulz kritisch begegnet werde.

«Renationalisierung» befürchtet

Auch vielen weiteren Sozialdemokraten sind Schulz’ Äusserungen von letzter Woche in den falschen Hals geraten. Der letztjährige Kandidat für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten hatte die griechische Regierung in einem Radiointerview scharf kritisiert, weil sie die Referendumsabstimmung ideologisch aufgeladen habe.

Alexis Tsipras und dessen linke Regierung stellte er in eine Reihe mit der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, um zu fragen: «Wollen wir wirklich eine solche Renationalisierung?»

Mit Cédric Wermuth rief Schulz mit diesen Worten einen weiteren prominenten Kritiker auf den Plan. «Schulz war bei seiner Wahl ein grosser Hoffnungsträger der europäischen Linken», sagt der Aargauer Nationalrat. «In der Griechenland-Debatte aber hat er mich sehr enttäuscht.»

Die Jungsozialisten möchten Schulz am liebsten aus dem Programm kippen. Er werde dem Parteipräsidium an der Sitzung von morgen beantragen, Schulz auszuladen, sagt Juso-Präsident Fabian Molina. «Er ist im Moment nicht geeignet, um die SP im Wahlkampf zu einen», begründet er das.

Der Baselbieter Nationalrat Eric Nussbaumer ist einer von wenigen SPlern, die Schulz verteidigen. «Man darf seine Äusserungen kritisieren», sagt er. «Aber wir sollten unsere Partei durch eine solche Diskussion nicht entzweien lassen.» Er hoffe, dass die Parteileitung clever genug sei, nicht auf jede Juso-Forderung einzugehen.