Die Bruttoleistungen der Krankenversicherer lagen im vergangenen Jahr bei 32,6 Milliarden Franken. Im Vergleich zu 2017 sind sie um lediglich 0,47 Prozent gestiegen. Im Vorjahr hatte der Anstieg 3 Prozent betragen, wie aus der Erhebung des Krankenkassenverbands Santésuisse hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorliegt. Über die Zahlen berichteten die Tamedia-Medien am Montag.

Eine versicherte Person verursachte 2018 durchschnittliche Kosten von 3852 Franken. Das sind 0,24 Prozent mehr als im Jahr davor. Von 2016 auf 2017 waren die Kosten pro Versichertem noch um 2,11 Prozent angewachsen.

Verzögerungen bei Abrechnungen

Fast stagniert haben 2018 die vergüteten Kosten für ärztliche Behandlungen (+0,09 Prozent). Ob dies auf den Tarifeingriff des Bundesrats beim Tarmed zurückzuführen ist, ist noch nicht abschliessend geklärt. "Eine kostendämpfende Wirkung ist sicher da", sagte Santésuisse-Direktorin Verena Nold in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen.

Die Anpassungen im Tarmed haben aber auch dazu geführt, dass viele Rechnungen von Spitälern mit einiger Verzögerung bei den Krankenkassen eintreffen. Denn die Spitäler müssen ihre Abrechnungssysteme anpassen. Einige Kosten wurden also möglicherweise noch nicht berücksichtigt. "Die Nullrunde könnte sich als trügerisch erweisen", sagte Nold.

Von stationär zu ambulant

Ein weiterer Grund für das verlangsamte Wachstum bei den Gesundheitskosten ist, dass es Verschiebungen zwischen den Leistungserbringern gegeben hat, wie Santésuisse auf Anfrage mitteilte. Verschiedene Kantone, wie Luzern und Zürich, hätten Listen mit Eingriffen erstellt, die nur noch ambulant durchgeführt werden dürfen. Dies habe zu einer Kostenverschiebung aus dem stationären zum ambulanten Bereich geführt.

Die damit verbundene Kostensteigerung in der Gruppe "Spital ambulant" hingegen sei noch kaum ersichtlich, weil dieser Bereich stark von den Rechnungsverzögerungen betroffen sei.

Grössere Verschiebungen von stationär zu ambulant gab es auch in der Langzeitpflege. So stiegen die Ausgaben für die Spitex um fast 6 Prozent an, während die Kostenentwicklung der Pflegeheime nahezu konstant blieb.

Weiterer Reformbedarf

Bei den von den Ärzten direkt abgegebenen Medikamenten betrug der Anstieg 2018 2,22 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 6,1 Prozent gewesen. Hier hätten Preissenkungen bei Medikamenten auf der Spezialitätenliste zum verlangsamten Wachstum beigetragen.

Eine höhere Kostensteigerung als im Vorjahr gab es bei den Apotheken (2017: 2,72 Prozent, 2018: 3,26 Prozent). Bei den Vertriebsmargen der Apotheker und den Medikamentenpreisen generell ortet die Santésuisse-Direktorin denn auch weiterhin Reformbedarf. "Wir (...) sehen bei den Vertriebsmargen ein Sparpotenzial von über 300 Millionen", sagte Nold in dem Interview.

Ausserdem müsse die Spitallandschaft überprüft werden. "Es geht einfach nicht mehr, dass jedes kleine Tal ein eigenes Spital führt, wo alle alles machen." Der Weg führe über eine verstärkte Spezialisierung, so würde auch die Qualität verbessert. Die Kantone müssten sich zudem bei der Spitalplanung besser koordinieren.