«Wenn nicht einmal er verwahrt wird, wer dann?», fragt Anita Chaaban in der „Schweiz am Sonntag". Die Urheberin der Verwahrungs-Initiative meint damit den jüngsten Missbrauchsfall. In diesem hat ein pädophiler Betreuer während Jahrzehnten über 100 behinderte Kinder sexuell missbraucht.

Der Mann wurde am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt, wobei diese zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben wurde.

Auf die Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer Verwahrung ging das Regionalgericht Bern-Mittelland nicht ein. Für Chaaban ist das unverständlich: «Ein Mann, der so widerliche Taten begeht, gehört verwahrt.»

Auch die Nationalrätin Natalie Rickli (SVP/ZH) findet deutliche Worte gegen das Urteil: «Eine Verwahrung wäre das einzig Richtige gewesen. Aus meiner Sicht ist so einer nicht therapierbar.» Rickli ist Co-Präsidentin des Initiativ-Komitees für die Pädophilen-Initiative, über die am 18. Mai abgestimmt wird.

Das Urteil nachvollziehen kann hingegen die Nationalrätin Christa Markwalder (FDP/BE), die im Co-Präsidium gegen die Pädophilen-Initiative sitzt: «Die stationäre Massnahme ist für den Täter härter als die Verwahrung, weil er immer wieder mit der Tat konfrontiert wird.» Klar sei aber auch, dass das Urteil nun politisch missbraucht werde, um Stimmung für die Pädophilen-Initiative zu machen.

Diesen Vorwurf weist Rickli von sich: «Ich will keinen politischen Profit aus diesem hässlichen Fall schlagen.» Auch das Argument der nicht gegebenen Verhältnismässigkeit lässt Rickli nicht gelten. «Es geht darum, Kinder und Behinderte zu schützen. Die Individualinteressen des Täters sind hier klar geringer zu gewichten.» Trotzdem wäre Rickli «leider nicht erstaunt, wenn der Täter in einigen Jahren Hafturlaub geniessen oder später gar entlassen würde».