Kim Allemann

Wenn am 17. Mai über die Einführung des biometrischen Passes abgestimmt wird, legen die Mitglieder des Verbandes Fotohandel Schweiz (VFS) und somit viele Fotoladen-Besitzer aus der Region ein Nein in die Urne. Der Grund: «Der biometrische Pass gefährdet ernsthaft die Existenz von schätzungsweise einhundert Fotogeschäften in der Schweiz», schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. «Passbilder sind unser Brot- und Butter-Geschäft», sagt Martin Leuzinger, Präsident der Berner Sektion des VFS. Ein rentables Geschäft also, das künftig nicht nur den berner-, sondern auch den Solothurner Fotogeschäften abhanden kommen würde.

Denn mit der Einführung des biometrischen Passes im März 2010 soll das Passfoto, gemeinsam mit den Fingerabdrücken, in einem extra dafür geschaffenen kantonalen Ausweiszentrum erfasst werden. Die neue Ausweisregelung trifft bei vielen Fotohändlern auf Unverständnis und schürt Existenzangst: «Passfotos sind bei uns im Laden der grösste Einnahme-Posten», weiss Karin Meyer von Foto Christen in Langenthal. «Können wir künftig keine Passbilder mehr anfertigen, werden wir das spüren.» Das könne finanziell eng werden: «Wahrscheinlich ist, dass wir dann keine Lehrlinge mehr ausbilden können.

Ob es gar zur Schliessung kommt, wird sich zeigen.» Mit einer spürbaren Umsatzeinbusse rechnen klar alle der angefragten Fotoladenbetreiber. Emanuel Stotzer, Inhaber von Foto Digital Stotzer AG in Büren an der Aare, rechnet mit 20 Prozent. Christian Lang, Geschäfsführer des gleichnamigen Fotogeschäfts in Langenthal, mit 10 bis 15 Prozent: «Existenzängste habe ich deswegen zwar keine, aber weh tuts trotzdem.» Warum der Staat die Passfotos nun selber in den Ausweiszentren machen wolle, wenn es doch im Fotohandel professionell ausgebildete Personen dafür gebe, verstehe er nicht. Den gleichen Aspekt betont auch Jacqueline Harisberger, Geschäftsführerin von Foto Römmel in Oensingen.

Fehlende Zeit und Geduld

Dass kleine Kinder nicht immer einfach in der richtigen Pose aufs Passfoto zu bringen sind, weiss so manch professionelle Fotograf. «Das erfordert Zeit und Geduld», sagt Niklaus Gerber, Mitinhaber des Geschäfts Heidis Foto und Digi-Print in Solothurn. Ob diese die Amtspersonen in den Ausweiszentren, die künftig nebst Fingerabdrücken und Personalien auch die Fotos der Pass-Antragsteller aufnehmen müssen, genauso hätten, bezweifle er.

Dominik Heri, Geschäftsführer des gleichnamigen Solothurner Fotogeschäftes wiederum findet es unlogisch, dass er künftig zwar weiterhin Fotos für den Pass von in der Schweiz lebenden deutschen, österreichischen und gar US-amerikanischen Staatsbürgern machen dürfe, für die Schweizer hingegen nicht mehr. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Auch etwa Karin Meyer von Foto Christen kritisiert den Punkt.

Bund sieht das anders

Die Mitglieder des Verbands Fotohandel Schweiz hoffen am 17. Mai auf ein Nein. «Allerdings ist es nicht so, dass wir uns alle grundsätzlich gegen die Einführung eines biometrischen Passes stellen», betont Martin Leuzinger. Der Präsident der Berner Sektion des VFS führt in Burgdorf sein gleichnamiges Fotogeschäft. Der biometrische Pass sei schon recht, aber nicht das Monopol, das der Staat mit der Anfertigung von Passfotos schaffen wolle. Leuzinger fühlt sich von den Kantons- und Staatsbehörden im Stich gelassen.

Das sieht man im Eidgenössischen Justitz- und Polizeidepartement (EJPD) anders: «Es ist nicht so, dass es künftig nicht mehr möglich ist, sein eigenes Passbild mitzubringen», sagt Guido Balmer vom Informationsdienst des EJPD. Technisch sei das weiterhin möglich. «Da aber die Ausweiszentren in der Hoheit der Kantone liegen, müssen diese selber darüber entscheiden.»
Zudem bestehe vertraglich keine Pflicht, dass die Passfotos beim Fotografen gemacht werden müssten. Balmer: «Im Zeitalter der Digitalkameras kann man das Passbild auch selber machen.»