Diplomatie
Angst vor Erdogan – türkischer Vizebotschafter in Bern bittet die Schweiz um Asyl

Volkan Karagöz ist die Nummer zwei in der türkischen Botschaft in Bern. Der Spitzendiplomat ist nun aber ins Visier von Staatschef Erdogan geraten. Aus Furcht vor einer Rückkehr in die Heimat beantragt er in der Schweiz Asyl.

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Der türkische Vizebotschafter hat die Anweisung erhalten, in die Türkei zurückzukehren. Staatschef Erdogan vermutet in ihm einen Putschisten. (Archiv)

Der türkische Vizebotschafter hat die Anweisung erhalten, in die Türkei zurückzukehren. Staatschef Erdogan vermutet in ihm einen Putschisten. (Archiv)

KEYSTONE/EPA / TURKISH PRESIDENT PRESS OFFICE / HANDOUT

Volkan Karagöz hat als Vizebotschafter in der Schweiz ausgedient. Der Diplomat hat die Anweisung erhalten, in die Türkei zurückzukehren. Dort erwarten ihn aber keine Lorbeeren: Vielmehr könnte er im Gefängnis landen. Das berichtet der "Tages-Anzeiger".

Der Grund: Karagöz' Namen steht auf einer Liste von 48 Personen, in denen Staatschef Recep Tayyip Erdogan Landesverräter sieht. Konkret wirft man ihnen vor, die Bewegung des islamistischen Predigers Fethullah Gülen zu unterstützen. Erdogan macht Gülen für den Putschversuch im vergangenen Juli verantwortlich. Der einstige Freund Erdogans bestreitet jedoch, etwas damit zu tun zu haben.

Um die Rückkehr in sein Heimatland zu verhindern, hat Karagöz jetzt mit seiner Familie Asyl in der Schweiz beantragt. Als brisant erscheint unter diesen Umständen die Tatsache, dass Karagöz im letzten August – damals sogar Botschafter ad interim – an einer Pressekonferenz in Bern Schweizer Gülen-Anhängern gedroht hatte, sie würden für den Putschversuch zur Verantwortung gezogen.

Rund um den Besuch des türkischen Aussenministers stellt das Gesuch die Schweiz vor eine schwierige Entscheidung. Heisst sie es gut, dürfte die Beziehung zur Türkei empfindlich darunter leiden. (mwa)