Job und Familie

Angestellte hüten sich, eigener Arbeitgeber als familienfreundlich zu bewerten

Familie und Job lassen sich nicht überall gleich gut vereinbaren (Symbolbild)

Familie und Job lassen sich nicht überall gleich gut vereinbaren (Symbolbild)

Seit einem Jahr will die Plattform «jobundfamilie.ch» für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Familienleben sorgen – bisher mit geringem Erfolg. Nur wenige Besucher lassen sich zu einer Bewertung des eigenen Arbeitgebers bewegen.

Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit sind Themen, um die Unternehmen im Kampf um gute, qualifizierte Mitarbeitende kaum mehr herumkommen. Pro Familia Schweiz hat vor einem Jahr eine Plattform im Internet aufgeschaltet, die genau hier ansetzt: Auf www.jobundfamilie.ch können Mitarbeitende (oder ehemalige Mitarbeitende) Unternehmen anonym hinsichtlich familienfreundlicher Kriterien bewerten. Hier können Unternehmen ihre Angebote wie flexible Arbeitszeitmodelle, Beratungsangebote und Kinderbetreuung präsentieren. Und zu guter Letzt finden Stellensuchende Job-Angebote ebendieser familienfreundlichen Unternehmen. Dies zumindest ist die Idee.

Doch ein Jahr nach der Lancierung ist das Portal weit davon entfernt, des Claims «Vereinbarkeitsplattform der Schweiz» würdig zu sein: Wer die Website besucht, findet zwar sehr viele Unternehmen aufgelistet, doch die wenigsten sind bewertet worden. Nach Angaben von Pro Familia Schweiz, dem Dachverband der Familienorganisationen, sind bis jetzt 80 Bewertungen eingegeben worden. Auf Anfrage stellt Lucrezia Meier-Schatz, Pro-Familia-Geschäftsführerin und St. Galler CVP-Nationalrätin, fest: «Die Plattform erfüllt den Claim noch nicht. Ein Produkt benötigt immer eine gewisse Zeit, um sich zu etablieren.»

«Vereinbarkeit» kaum gegoogelt

Pro Familia betrachtet das vergangene Jahr als Startphase, in der sich viele verschiedene Fragen stellten und viele Erkenntnisse gewonnen wurden. So wurde zum Beispiel festgestellt, dass der Begriff Vereinbarkeit auf Google kaum gesucht wird. «Daher geht es in der gegenwärtigen Entwicklungsphase unter anderem auch um die Suchmaschinenoptimierung und um die Positionierung der Website», sagt Meier-Schatz. Das Ziel «Vereinbarkeitsplattform der Schweiz» bleibe bestehen, doch die Website werde weiterentwickelt.

Rund 8700 Besucher haben die Vereinbarkeitsplattform bisher aufgerufen. Man habe festgestellt, dass viele Besucher nach wenigen Minuten wieder abspringen und keine Bewertungen abgeben, sagt Meier-Schatz. Eine Hemmschwelle liege in der Registrierung. «Wir wollen verhindern, dass eine Person dasselbe Unternehmen mehrfach bewertet. Daher müssen wir diese Vorsichtsmassnahme treffen.» Für das Funktionieren des Portals ist es zentral, dass zahlreiche Bewertungen abgegeben werden. Erst dann wird es auch für Unternehmen attraktiv, auf dem Portal aktiv mitzumachen.

Finanzhilfen vom Bund

Das Portal hat für die Anfangsphase bis Ende 2012 finanzielle Unterstützung vom Büro für Gleichstellung von Frau und Mann erhalten. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zeigte sich vom Projekt ebenfalls überzeugt und übernahm ein Patronat «ideeller Natur» für die Plattform. Aktuell will das Seco jobundfamilie.ch nicht beurteilen: «Es ist noch zu früh, um eine seriöse Einschätzung machen zu können», heisst es auf Anfrage.

«Wenn wir nicht vom Potenzial der Plattform überzeugt wären, hätten wir die Übung abgebrochen», sagt Lucrezia Meier-Schatz. Diesen Sommer will Pro Familia der Öffentlichkeit die nächsten Entwicklungsschritte präsentieren.

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