Anfang März kündete die SVP-Leitung Änderung in der Parteistruktur an. Neben dem Rücktritt von Präsident Toni Brunner, der durch den Berner Nationalrat Albert Rösti ersetzt werden soll, kommunizierten Parteidoyen Christoph Blocher und der frühere Zürcher Nationalrat Walter Frey ihren Rückzug aus dem Vizepräsidium.

Eine Personalie gab aber am meisten zu reden: Der Aargauer Nationalrat Andreas Glarner soll eine Rolle im SVP-Machtgefüge erhalten, als Verantwortlicher Migrations- und Asylpolitik.

Ausgerechnet Glarner, der bekannt ist für seine scharfen Sprüche zum Thema Asylpolitik, die auch mal unter die Gürtellinie gehen. Glarner, der versuchte seine Gemeinde Oberwil-Lieli von der Aufnahmepflicht für Flüchtlinge freizukaufen. 

Es gab selbst Stimmen innerhalb der Partei, die Bedenken über die Nomination Glarners äusserten. Andere deuteten seine Ernennung als Zügel anlegen: Mit einem Amt im Rücken würde sich Glarner wohl mässigen, so die Hoffnung.

Am Sonntagmorgen bewies der Aargauer aber, dass er weitermacht wie eh und je. Er postete den Tweet: «Steht bei Dir ein Asylant im Keller, war Sommaruga schneller !»

Andreas Glarners Tweet

Die Twittergemeinde reagierte sofort auf Glarners Reim. «Das ist nicht nur Schwachsinn, sondern auch noch schlecht gereimt», meinte etwa ein User. Ein anderer fordert den Rücktritt des Politikers: «Einer, der solch unverständliches Zeug stammelt, soll in der SVP verantwortlich sein für Asylpolitik? Abtreten!»

Glarner selbst reagiert spöttisch auf den von ihm heraufbeschworenen Shitstorm. In einem weiteren Tweet kommentiert er: «So guet - es ist Sonntagmorgen und die linke Twittermeute schlaegt schon das Rad vor Empörung...» Da schalten sich selbst Ratskollegen in die Diskussion ein - namentlich die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter.

Nationalratskollegin Elisabeth Schneider-Schneiter antwortet Glarner.

Glarner lassen die Reaktionen kalt. Er verteidigt gegenüber dem «Blick» seine Aussagen. Der Spruch entspreche der Realität und verweise auf einen Bundesratsentscheid vom Freitag. 

Glarner hält fest, dass ihn die Dossierverantwortlichkeit für das Asylthema «sicher nicht weichspülen» werde. Persönlich werde er genau gleich kommunizieren wie bisher. Immerhin wolle er sich in der Funktion als Asylchef der SVP sachlicher und diplomatischer ausdrücken. (zam)