Nationalratspräsidium
Andreas Aebi wird mit Rekordergebnis zum höchsten Schweizer gewählt

Der Nationalrat hat den Berner SVP-Nationalrat Andreas Aebi zu seinem Präsidenten gewählt. Der Landwirt politisiert seit 2007 in der grossen Kammer und wird über Parteigrenzen hinweg geschätzt.

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Isabelle Moret reicht die Blumen an ihren Nachfolger weiter: Nun ist ein Jahr lang der Berner Andreas Aebi höchster Schweizer.

Isabelle Moret reicht die Blumen an ihren Nachfolger weiter: Nun ist ein Jahr lang der Berner Andreas Aebi höchster Schweizer.

Keystone

(rwa) Aebi erhielt am Montag zu Beginn der Wintersession 178 von 183 gültigen Stimmen. Damit steht zum 28. Mal ein Berner an der Spitze des Nationalrates. Das ist ein Rekord: Kein anderer Kanton stellte bisher öfters das Präsidium. Aebi löst Isabelle Moret (FDP/VD) ab, welche die grosse Kammer souverän durch die Coronakrise geführt hatte. Zur ersten Vizepräsidentin rückt Irène Kälin (Grüne/AG) auf. Zum zweiten Vizepräsidenten wählte der Nationalrat Martin Candinas (CVP/GR).

Zuvor hatte Isabelle Moret in ihrer Rede auf ihr «aussergewöhnliches» Präsidialjahr zurückgeblickt. Das Coronavirus habe sich auch direkt auf den Parlamentsbetrieb ausgewirkt. Zum ersten Mal in der Geschichte habe eine Session abgebrochen werden müssen. Ebenso einmalig gewesen sei der Umzug in die Bernexpo. Im Herbst sei das Parlament ins Bundeshaus zurückgekehrt, wo seither an «allen Ecken und Enden Plexischreiben zu finden sind». Sie überlasse ihrem Nachfolger einen Rat, der die nächsten Wellen dieser Pandemie überstehen könne.

«Zusammenhalt, Zuversicht und Zufriedenheit»

In seiner Antrittsrede dankte Aebi dem Nationalrat für das ausgesprochene Vertrauen:

Seine Vorgängerin sei eine «hervorragende Lehrmeisterin» gewesen. Die Coronakrise werde auch sein Präsidialjahr prägen, das unter dem Motto «Zusammenhalt, Zuversicht und Zufriedenheit» stehe, so Aebi «Wir denken an alle, die in der Krise einen lieben Menschen verloren haben.» Die Gedanken sollten auch bei den einsamen Menschen sein und jenen, die Angst hätten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Eine grosse Anerkennung gilt laut Aebi auch den Menschen in der Gesundheitsversorgung. Er hoffe deshalb, dass das Parlament faire, griffige und schnelle Lösungen für die Probleme der Coronakrise finden werde.

Aebi begann seine politische Karriere als Gemeindepräsident von Alchenstorf im Emmental, wo er immer noch lebt. 2007 schaffte er den Einzug in den Nationalrat. Seither wurde er drei Mal wiedergewählt. Seit Beginn ist der 62-Jährige Mitglied der Aussenpolitischen Kommission und der Delegation bei der Parlamentarischen Versammlung der OSZE. Aebi gilt als gemässigter SVP-Politiker, der über Parteigrenzen Brücken bauen kann und weitum geschätzt wird.

Auch als möglicher Bundesrat gehandelt

Nach dem Rücktritt von Bundesrat Samuel Schmid im Jahr 2008 wurde Andreas Aebi gar für einen Sitz in der Landesregierung gehandelt. Die Berner Kantonalpartei schlug ihn gemeinsam mit Adrian Amstutz als möglichen Kandidaten vor. Das Rennen machte am Ende Ueli Maurer, der sich knapp gegen den Thurgauer SVP-Nationalrat Hansjörg Walter durchsetzte.

Eine Niederlage einstecken musste Aebi auch bei seiner Kandidatur im November 2012 für das Präsidium des Schweizerischen Bauernverbandes. Dort unterlag er knapp dem heutigen Präsidenten und St. Galler CVP-Nationalrat Markus Ritter.