Trägerverein der Frauenzentrale
An der Spitze der Abtrünnigen herrscht (noch) Funkstille

Trägerverein der Frauenzentrale-Konkurrenz will sich am Freitag über das Gerichtsurteil beugen und das weitere Vorgehen beraten.

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An der Spitze der Abtrünnigen herrscht (noch) Funkstille

An der Spitze der Abtrünnigen herrscht (noch) Funkstille

Von der Spitze des Vereins, der im Juni die Abspaltung des Alimenteninkassos von der Frauenzentrale verkündet hatte, gab es am Donnerstag nur einen Kommentar zum Urteil des Handelsgerichts: kein Kommentar.

Doch nicht das Ende?

Die Gegenseite habe das Urteil offenbar einen Tag früher erhalten, sagte Markus Leimbacher, er habe es noch nicht gesehen und könne deshalb auch nicht dazu Stellung nehmen. Man will sich heute zusammensetzen und beraten, wie es weitergehen soll. Man sieht offenbar die Möglichkeit, dass die ehemaligen Mitarbeiterinnen der Frauenzentrale ihre Tätigkeit fortführen könnten, einfach nicht mehr unter der Trägerschaft des Vereins. Ihnen wurde vom Handelsgericht nicht grundsätzlich die Tätigkeit auf diesem Gebiet verboten, sondern nur, das Alimenteninkasso mithilfe der im Juni aus den Räumen der Frauenzentrale entwendeten Daten und Unterlagen zu betreiben. Und die seien ja längst alle zurückgegeben worden. Auch Zofingens Stadtammann Hans-Rudolf Hottiger wollte sich nicht weiter äussern. «Ohne genaue Kenntnis des Urteils zu haben, wäre das nicht seriös», so Hottiger. Nur so viel: Zentral sei für ihn nicht die rechtliche Frage, sondern, dass die Frauen zu den ihnen zustehenden Alimenten kommen. Und da habe man in Zofingen, das das Inkasso-Mandat dem neuen Verein übergeben hat, sehr gute Erfahrungen gemacht.

Insgesamt sind übrigens nur 12 Gemeinden bei der Frauenzentrale abgesprungen und zur Konkurrenz gewechselt. Die Frauenzentrale betreut im Moment insgesamt gut 1000 Dossiers, sie erledigt das Alimenteninkasso für 112 Gemeinden.

Unter Stress gehandelt

Ein Vorstandsmitglied nahm gestern doch noch Stellung, jedenfalls zu einem Punkt: Dass die Behändigung der Akten aus den Räumlichkeiten der Frauenzentrale rechtswidrig war, sei auch seine Meinung, so SVP-Grossrat Jörg Hunn. Er habe von dieser Nacht-und-Nebel-Aktion auch keine Kenntnis gehabt. Hunn schreibt das Vorgehen dem grossen «emotionalen Stress» zu, unter dem die bei der Frauenzentrale abgesprungenen Mitarbeiterinnen damals gestanden hätten.

Bisher hatte sich der neue Alimenteninkasso-Verein allerdings nicht offiziell von diesem Vorgehen distanziert. Vielmehr stellte man sich auf den Standpunkt, die Alimenteninkasso-Stelle sei als eigenständiges Gebilde zu betrachten. Man habe sich deshalb zu Recht mit Nachschlüsseln zu den ausgewechselten Schlössern Zutritt zu den Büroräumlichkeiten verschafft und die Unterlagen abtransportiert. Deren Rückgabe musste die Frauenzentrale ja auch mit einer superprovisorischen Verfügung des Handelsgerichts erzwingen.

Frauenzentrale will Geld

Mit dem neusten Entscheid des Handelsgerichts sind die Rechtsstreitigkeiten noch nicht erledigt. Abgesehen von der Strafanzeige wegen Einbruch, Diebstahl und anderer Tatbestände will die Frauenzentrale auch auf dem zivilrechtlichen Weg Schadenersatzansprüche geltend machen. In welcher Höhe sich diese bewegen, ist noch offen. Die Viertelmillion, von der einmal die Rede war, sei jedenfalls «sicher an der untersten Grenze», wie Doris Fischer-Taeschler sagt. (mou)